Ostbrandenburg (geh). Zur Kundgebung gegen den Windkraftwahnsinn in Brandenburg am vergangenen Montag hatten die Mitglieder der Bürgerinitiative Mixdorf aufgerufen.

Gut 150 Teilnehmer, auch aus Carzig und sogar aus der Uckermark, wurden gezählt. Anlass war die Dezembersitzung der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree im Frankfurter Kleist Forum. Die Regionalräte werden voraussichtlich im Frühjahr 2018 über die Genehmigung des 3. Entwurfs des Sachlichen Teilregionalplanes „Windenergienutzung“ für die Region Ostbrandenburg entscheiden. Jeder einzelne Teilnehmer der Sitzung wurde persönlich angesprochen, und ihm wurden Unterlagen zur Thematik angeboten. Einige gingen kommentarlos vorbei, andere lächelten überheblich, wieder andere fragten von oben herab, ob wir denn Alternativen hätten. „Es war deutlich zu erkennen, dass sich niemand mit dem Thema Windkraft ernsthaft beschäftigt hatte”, so Bernd Kochan, Sprecher der Bürgerinitiative Mixdorf.
Dass die verfehlte „Energiewende“ längst vor dem Aus steht, sei laut Kochan schon mehrfach von Fachleuten nachgewiesen worden. „Aber weder die gesundheitlichen Folgen der Windkraftanlagen für die Bürger noch die gravierenden Einschnitte für die Umwelt - allein 12.000 erschlagene Greifvögel pro Jahr - scheinen die Entscheidungsträger daran zu hindern, im blinden Gehorsam den Regierungsvorgaben zu folgen”, kritisiert der Sprecher aus Mixdorf. „Selbst kriminelle Handlungen, wie die Fällung von Bäumen mit Greifvogelhorsten scheint niemanden zu interessieren”, bedauert Kochan.
Deshalb werde die Bürgerinitiative Mixdorf in ihren Bemühungen nicht nachlassen und auch zukünftig zu Demonstrationen aufrufen. Bernd Kochan: „Und der Rechtsweg ist in diesem Fall nicht ausgeschlossen”.  

Die Aktion vor dem Frankfurter Kleist Forum hat gezeigt, dass dieses Thema bewegt. Nicht nur Mitglieder zahlreicher Bürgerinitiativen aus der Region waren dabei, sondern auch Politiker.
Unter die Protestierenden mischten sich beispielsweise Matthias Vogel, Direktor vom Amt Schlaubetal. Auch Müllroses Bürgermeister wollte mit seiner Anwesenheit Unmut ausdrücken. Er sagte: „Die Bürger in Brandenburg zahlen die höchsten Strompreise in Deutschland. Die Anlagenbauer erzielen pro Jahr über 230.000 Euro Gewinn pro Windrad, Geld das wir über den Strompreis finanzieren. Warum stehen in Bayern so wenig Windräder? Weil Brandenburg viel zu viel hat. Nein zu weiteren Windrädern, schon gar nicht im schönen Schlaubetal und auch nicht im Wald”.
Diese Auffassung teilen Péter Vida und Dr. Philip Zeschmann von BVB/Freie Wähler: „Statt alles in Einklang zu bringen und dauerhaft bestandskräftige Lösungen auch für Mensch und Natur zu entwickeln, schießt die Landespolitik hier blindwütig über das Ziel weit hinaus und provoziert damit landauf landab Widerstand von uns Bürgern”. Dass fundierte Aspekte der Gesundheitsgefährdung der Bürger offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle spielen, bezeichnen die beiden als schockierend und inakzeptabel.
Andreas Gliese, Landtagsabgeordneter der CDU sorgte bereits im Januar mit seiner Ablehnung des dritten Entwurfs zum Windregionalplan für Aufsehen. Er wolle sich nicht als genereller Windkraftgegner bezeichnen, fordert bei den Planungen aber mehr Augenmaß. Die neu ausgewiesenen Gebiete im Schlaubetal lehnt Gliese ab: „Sie gefährden den sozialen Frieden”. Abstrus wurde es für den CDU-Mann bei der Versammlung, als in einer der Stellungnahmen zum Ende von einer Tourismusförderung durch Windparks die Rede war. „Was soll das bitte für eine Tourismusförderung sein? Wenn dem so wäre, könnte man jedem Hotel  einfach sein eigenes Windrad nebendran setzen und sie müssten sich um Gästezahlen keine Sorgen machen“, merkte Andreas Gliese im Anschluss ironisch an.
Stefan Hellert, Sprecher der Bürgerinitiative Carzig bringt die Bedenken Vieler auf den Punkt: „Ein weiterer Ausbau der Windenergie zu Lasten der von den Emissionen betroffenen Bürger kann nur den Investoren nützen”.
An mehreren Stellen in der Region sollen Windkraftanlagen aufgestellt werden, die höher sind als die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms.