Frankfurt/Oder (gla). Die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises stellten sich zum Gespräch.

Im CDU-Büro empfingen Annalena Baerbock von den Grünen, Martin Patzelt von der CDU und Thomas Nord von den Linken zum zweiten Mal Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Presse. Obwohl sie aus unterschiedlichen politischen Ecken kommen, vereint die drei Abgeordneten „die Notwendigkeit und Wichtigkeit, Demokratie zu verteidigen“, sagte Martin Patzelt.
Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit hatten sie unter dem Motto „Demokratie stärken“ Schulen angeschrieben und angeboten, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollten die Schülerinnen und Schüler merken, „dass wir nicht pauschal die Politik sind“, sagte Annalena Baerbock. Unter anderem besuchten die Abgeordneten die Freie Waldorfschule, das Karl-Liebknecht-Gymnasium das Gauß-Gymnasium. Auch bei einer Wanderausstellung, einem Kaffeetisch für ältere Bürger und anderen Gelegenheit waren die Drei gemeinsam aufgetreten, um Menschen die Politik ihrer unterschiedlichen Parteien und die Arbeit des Bundestags näherzubringen.
Thomas Nord bezeichnete diese Aktionen als „ein Format das man schon viel länger hätte machen können“, hätte das Bildungsministerium Politikerinnen und Politikern nicht viele Jahre lang untersagt, in die Schulen zu gehen. Dass das jetzt möglich ist, bedeute eine „Normalisierung zwischen Bildungseinrichtungen und Politik“, sagte Nord.
Diese Diskussionsmöglichkeiten findet Martin Patzelt wichtig für „junge Leute, die in der politischen Entwicklung erst am Anfang stehen“. Die Jugendlichen, mit denen diese Gespräche stattfinden, gehen meist in die 9. bis 13. Klasse. „Ich kann überhaupt nicht sagen, junge Leute sind apolitisch“, erzählte Frankfurts ehemaliger Oberbürgermeister von seinen Erfahrungen, „Schüler suchen frei von Angst die Diskussion mit uns“.
„Sie haben das Bedürfnis, sich über aktuelle Ereignisse auszutauschen“, bestätigte Annalena Baerbock. Thomas Nord hat den Eindruck, dass sich besonders seit dem Wahlsieg Donald Trumps in Amerika junge Leute verstärkt politisieren. Patzelt hält es auch für wichtig, den jungen Menschen zu vermitteln, „dass wir weder Wundertäter noch abgehoben, sondern normale Menschen sind“.
Den Abgeordneten werden in den Schulen nicht nur politische, sondern auch persönliche Fragen gestellt. „Wie schaffen Sie das mit Ihrem Kind? Warum sind Sie zu den Grünen gegangen?“ wollten Schülerinnen und Schüler zum Beispiel von Annalena Baerbock wissen.
„Wir haben unterschiedliche Sichten auf unser gemeinsames demokratisches Haus, und das ist auch gut so“, sagte Martin Patzelt. „Wir vertreten im selben Land unterschiedliche Positionen. Deshalb muss man aber nicht verfeindet sein“, bestätigte Thomas Nord. „Sonst ist man sehr stark werbend für die eigene Parteifarbe unterwegs“, sagte Annalena Baerbock, aber zurzeit sehe sie eine große Notwendigkeit, für Demokratie zu werben. Sie fand es besonders interessant zu hören, welche Fragen ihren beiden Kollegen gestellt wurden.
Niedrige Wahlbeteiligung und das Erstarken rechtspopulistischer Parteien, die zum Teil von Russland finanziert werden, sehen alle drei als wachsendes Problem für Deutschland und alle Staaten der Europäischen Union. Ein Vorteil der Kombination dieser drei Abgeordneten ist, dass sie aus so gegensätzlichen Parteien kommen. Würde nur eine Grüne mit einem Christdemokraten oder einem Linken auftreten, gäbe es sofort den Verdacht, dort werde eine zukünftige Koalition geschmiedet.
Im Anschluss an die Presserunde trafen sich die drei Abgeordneten mit Bürgerinnen und Bürgern zum Gespräch.