Bad Freienwalde (geh). Der Verein „Kindergefängnis Bad Freienwalde“ hat in der Kurstadt ein Mahnmal zum Gedenken an das erlittene Leid der ehemaligen Insassen enthüllt. Über 50 ehemalige Insassen des Kindergefängnisses sowie Unterstützer kamen dafür nach Bad Freienwalde. Unter ihnen waren auch der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky, der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt und auch die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur Maria Nooke. Die zwei Meter hohe Stahlkonstruktion trägt die Gravur „Kindergefängnis - Wir werden nie vergessen. Die Kinder“. Der Vereinsvorsitzende Roland Herrmann (Foto) sagte während der Enthüllung: „Endlich haben wir einen Ort des Erinnerns und Gedenkens“. Wie viele andere Anwesende legte er eine Rose nieder.
„Vor zwei Jahren sah es alles andere als rosig aus”, sagt der Vereinsvorsitzende Roland Herrmann. „Als wir vor ein paar Jahren zur Stätte unseres Leidens zurückkamen, waren wir geschockt. Kein Wort des Erinnerns war dort zu finden. Durch Baumaßnahmen am Haus wurde klar, unsere Geschichte und das Schicksal unzähliger Kinder und Jugendlicher, die dort eingesperrt waren, wird vergessen.” Schnell nahmen sich die Betroffenen vor: Hier muss etwas passieren. Das ehemalige Kindergefängnis wurde mittlerweile an einen Privatunternehmer verkauft. Trotz mehrfacher Versuche kam kein Kontakt zustande.
Auf einer Diskussionsveranstaltung der Grünen Anfang des Jahres 2016 lernten die Vereinsmitglieder Heide Schinowsky, Landtagsabgeordnete der Grünen kennen. Roland Herrmann: „Sie engagierte sich für unser Vorhaben und wir entwickelten gemeinsam die Idee eines Mahnmals vor dem Gebäude in Bad Freienwalde. Ihr gilt unser besonderer Dank.
Beistand kam dann auch von anderer Seite: Gernot Schmidt, der Landrat von Märkisch-Oderland sicherte seine Unterstützung zu, wie auch Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke. Der Landkreis half nicht nur bei der Finanzierung des Mahnmals, sondern kümmerte sich auch um alle rechtlichen Fragen rund um die Aufstellung. „Dank der Vermittlung durch Gernot Schmidt kamen wir auch in Kontakt mit dem Bad Freienwalder Künstler Axel Anklam, der das Mahnmal für uns erstellte“, so der Vereinsvorsitzende.
Herrmann und seine Mitstreiter hoffen nun, dass neben der gesellschaftlichen Rehabilitierung auch eine gerichtliche Wiedergutmachung nicht mehr blockiert wird. Von allen Insassen von Bad Freienwalde hat bislang nur Norda Krauel eine Rehabilitierung erhalten, weil sie sich bis zum Bundesverfassungsgericht durchgeklagt hatte. Ein Schreiben des Präsidenten des zuständigen Landgerichtes in Frankfurt (Oder) lässt den Opferverein aufhorchen. Darin sprach der Präsident davon, dass es „höchste Zeit ist, dass diesem dunklen Kapitel der Geschichte in angemessener Form gedacht wird“.
Auch Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke hat Offenheit und Ehrlichkeit beim Umgang mit dunklen Kapiteln der Geschichte angemahnt. Bei der Einweihung eines Mahnmals vor dem ehemaligen DDR-Kinderheim in Bad Freienwalde verwies er am Jahrestag des Mauerfalls auf das Leid und das Unrecht, das Kindern in Heimen der DDR zugefügt worden war. Woidke: „In diesem Heim wurden jene durch den Entzug von Menschlichkeit bestraft, die sie am dringendsten gebraucht hätten: Kinder und Jugendliche, die sich in persönlichen Ausnahmesituationen befanden“. Noch heute gebe es Unwissen darüber, warum Kinder dorthin gebracht wurden und was sie dort erlitten. Woidke: „Wir müssen dieses Kapitel unserer Geschichte aufarbeiten und dürfen dabei nichts klein oder schön reden. Vor allen Dingen dürfen wir die Betroffenen mit dieser Aufgabe nicht allein lassen“. Er dankte den Initiatoren des Mahnmals, die sich für die Erinnerungsstätte eingesetzt hatten: „Das Mahnmal kann Anstoß für eine gesellschaftliche Debatte sein. Wir brauchen einen vorbehaltlosen gesellschaftlichen Austausch, in dem es nicht darum geht, die DDR schlecht zu machen. Sondern darum, die Menschen ernst zu nehmen, denen Leid widerfahren ist, ihnen zuzuhören und zu hinterfragen“.
Ministerpräsident Woidke hatte die Anfertigung des Mahnmals mit 3.000 Euro aus Lottomitteln gefördert. Außerdem unterstützte das Land Brandenburg kürzlich im Bundesrat eine Initiative, mit deren Hilfe DDR-Heimkinder ihre Rechte länger und einfacher durchsetzen können. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass Anträge auf Wiedergutmachung zehn Jahre länger, also bis 2029, gestellt werden dürfen.
Von 1968 bis 1987 wurden in dem Gebäude in der Bad Freienwalder Adolf-Bräutigam-Straße Kinder und Jugendliche unter haftähnliche Bedingungen eingesperrt. Offiziell diente das Durchgangsheim als Zwischenstation bis zu einer weiteren Einweisung in Kinderheime. Kinder ab drei Jahren und Jugendliche bis zur Vollendung des 17. Lebensjahrs waren in dem ehemaligen preußischen Amtsgefängnis bis zu einem halben Jahr eingesperrt. Ohne Gerichtverhandlung.