Eisenhüttenstadt (hn). Am 25. Oktober 2017 hatte die IG Metall Ostbrandenburg zur traditionellen Jubilarehrung eingeladen.

Mitglieder, die 40, 50, 60 oder 70 Jahre in der Gewerkschaft sind, waren eingeladen, gemeinsam zu feiern und zu tanzen.
Peter Ernsdorf, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, begrüßte im Namen des Vorstandes die Gäste und stellte fest, es sei eine gute Tradition, die Jubilare zu ehren. 130 Kolleginnen und Kollegen blicken auf eine 40-jährige Mitgliedschaft zurück, 78 sind ein halbes Jahrhundert dabei, 60 Kollegen sechs Jahrzehnte und acht 70 Jahre Gewerkschaftsmitglieder. Er verwies darauf, dass es in der Region Ostbrandenburg 55 Betriebe mit einem Betriebsrat gibt und dass die Gewerkschaft sich in der Vorbereitung einer großen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie befindet. Ernsdorf hob hervor, dass es besonders darauf ankommt, die Jugendarbeit zu fördern, um die Basis der Gewerkschaft zu stärken, was immer schwieriger wird. „Unser Anspruch ist nach wie vor, in der Region eine Perspektive und ordentliche Arbeitsbedingungen zu haben“, so der Erste Bevollmächtigte. Der Mindestlohn würde keineswegs ausreichen, die jungen Leute in der Region zu halten, und es gibt eine Reihe von Betrieben, wo die Kollegen zu der Erkenntnis gelangten, es müssen Veränderungen herbei geführt werden, was nur erreichbar ist, wenn sie sich organisieren. Gegenwärtig werden von der Geschäftsstelle rund 7.400 Mitglieder betreut, von denen zirka 73 Prozent in Lohn und Brot sind, jedoch nicht alle in einer Tarifbindung. Sollte der Mindestlohn gegenwärtig zum Überleben ausreichen, würden die Probleme jedoch erst im Alter auftreten, wenn damit nicht einmal die Mindestrente erreicht wird.
In seiner Festrede beschäftigte sich der Sozialexperte der IG Metall und deren geschäftsführendes Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban unter anderem mit der Geschichte der Gewerkschaften nach dem Tag der Befreiung 1945. Die neu gegründeten Gewerkschaften verstanden sich als antifaschistische Kraft, in Ost wie in West. So heißt auch heute, 70 Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur, die Losung: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Das ist eine der bittersten Lehren aus der Geschichte, und dabei wird es bleiben, denn in beiden Teilen Deutschlands herrschte die Erkenntnis, Teile des deutschen Kapitals haben dem Faschismus den Weg bereitet, ihn politisch, finanziell und ideologisch unterstützt.
„Heute leben wir in einer Gesellschaft, die zwar rhetorisch die Mitbestimmung achtet“, so Urban, „aber die Realität sieht vielfach ganz anders aus“. Erreichtes wird immer wieder infrage gestellt, für die Gewerkschaften ist aber klar, Mitbestimmung und starke Betriebsräte sind gelebte Demokratie, und Demokratie darf nicht am Werkstor enden. Obwohl die Gewerkschaften eine parteipolitische Bindung ablehnen, müssen sie sich künftig auf die veränderte Parteienlandschaft einstellen, unabhängig von Parteiinteressen und Parteitaktik müssen sie Politik für ihre Mitglieder formulieren, und sie müssen offen sein für Parteien, die bereit sind, mit den Gewerkschaften zusammen, Arbeitnehmerpolitik zu unterstützen. Zugleich müsse für fortschrittliche Mehrheiten in den Parlamenten und in der Gesellschaft geworben werden, um Mehrheiten für Fairness, Demokratie, Solidarität und Gerechtigkeit zu bilden.
„Seit im Jahr 1989 der westliche Kapitalismus triumphierte, leben, arbeiten, hoffen und trauern wir in einer gemeinsamen Gesellschaft“, so Urban, „in der Wendezeit schien vieles möglich, doch eine Neuordnung, die die positiven Elemente beider Gesellschaften verbunden hätte, fand wieder nicht statt, deshalb kämpfen wir bis heute, der politischen Wiedervereinigung die staatliche, aber vor allem die soziale Einheit folgen zu lassen.“