Güldendorf (gla). Die Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ war vor Ort.

Güldendorf hatte sich 2017 in der ersten Runde durchgesetzt und vertritt nun die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder). Die Jury besteht aus Vertretern des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, des Landesamts für Denkmalpflege, des Städte- und Gemeindebunds, des Landesbauernverbands, des Gartenbauverbands, des Landfrauenverbands und des Tourismus-Marketings des Landes Brandenburg. Sie besichtigt zurzeit die 17 Kreissieger. Beurteilt werden unter anderem die wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes, das soziale und kulturelle Leben, die Bau- und Grüngestaltung.
Heimatverein, Freiwillige Feuerwehr und Karnevalsclub empfingen die Jury in der Feuerwache. „Ich heiße Sie ganz herzlich willkommen im ältesten und viertgrößten Ortsteils Frankfurts“, begrüßte Ortsvorsteherin Brunhild Greiser die Gäste. „Seit der gesellschaftlichen Wende ist Güldendorf ein beliebter Wohnstandort.“ Die Einwohnerzahl des Dorfs verdoppelte sich fast seit 1989. Neubürger nennen häufig das besondere Wohnumfeld als Grund für ihren Zuzug. Güldendorf liegt sowohl in der Nähe von Naturgebieten wie den Oderwiesen, dem Eichwald und dem Faulen See, als auch nahe am kulturellen Angebot Frankfurts. „Güldendorf steht für eine starke Dorfgemeinschaft und ein lebendiges Miteinander von Jung und Alt“, sagte die Ortsvorsteherin. „Gerade im Heimatverein haben viele Neugüldendorfer schnell eine Heimat gefunden.“
Brunhild Greiser erzählte den Jurymitgliedern von den Veranstaltungen des Dorfes. Dazu gehören das Erntefest, Zampern, Fasching, Lichterfest und Osterglockenspaziergang. Vor zwölf Jahren begannen die Dorfbewohner, tausende Osterglocken zu pflanzen, die jetzt als Güldendorfs Wahrzeichen gelten. Später wurden zusätzlich aus Holz geschnitzte Osterglocken aufgestellt.
Nach dem kurzen luden die Vereinsmitglieder die Bewertungskommission zu einer Dorfbesichtigung ein. Juryleiter Tobias Wienand vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft antwortete im Namen seiner Kollegen: „Zeigen Sie uns, was Ihr Dorf liebens- und lebenswert macht. Zeigen Sie uns, dass Ihr Dorf Zukunft hat.“ Zuerst ging es vom See zur Kirche. Dort hatte der Heimatverein ein Denkmal für die im Krieg Gefallenen, das zu DDR-Zeiten nur ein Steinhaufen war, und die verfallene Friedhofsmauer repariert.
Stellvertretend für die 90 bis 100 Personen zählende evangelische Gemeinde Güldendorfs zeigte Charlotte Schülzke den Gästen die Dorfkirche, wo regelmäßig Gottesdienste und Orgelkonzerte stattfinden. Dann ging es mit einem Bus zum Buschmühlenweg. „Dieser Weg war eigentlich die Flaniermeile von Frankfurt“, erklärte Brunhild Greiser während der Fahrt. Es gab dort elf Gaststätten. Die meisten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nie wieder aufgebaut. „In Kürze wird hier ein Wanderrastplatz entstehen.“ Am Oder-Neiße-Radweg soll eine Informationstafel auf die Ortschaft aufmerksam machen. Für Elektrofahrräder wird eine Ladestation installiert. „Am 15. September ist das Anradeln vorgesehen“, so die Ortsvorsteherin.
Güldendorfs Freiwillige Feuerwehr hatte eine Überraschung vorbereitet. Die mutigsten Mitglieder der Jury durften die Aussicht von einer bis zu dreißig Meter ausfahrbaren Leiter genießen. Der Bus fuhr durch Mühlental, Streuobstwiesen und den Hohlweg, der erst seit der Oderflut von 1997 befestigt ist und mit seiner Steigung von 16 Prozent Teil der internationalen Oderrundfahrt wurde. An seiner höchsten Stelle wird der Güldendorfer Bergpreis vergeben.
Vor der Kindertagesstätte Parkschlösschen wartete Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke. Er sprach seine Unterstützung für die Bewerbung des Ortsteils aus. Im Garten der Kindertagesstätte brachte ein Gruppe Drei- bis Sechsjähriger den Besuchern ein Ständchen. Brunhild Greiser fasste die Geschichte des Grundstücks zusammen. Es gehörte früher einem Gutsbesitzer, der in den dreißiger Jahren pleite ging. Zur Nazizeit nutzte es die SA. 1946 entstand dort eine Schule. „Ich selbst habe hier vier wunderschöne Jahre meiner Schulzeit verbracht“, erinnerte sich das Dorfoberhaupt. „1972 hat dann die Staatssicherheit das ganze Gelände für sich in Anspruch genommen.“ Jetzt gehen 54 Kinder in die Kita.
Am Maserpfuhl stellte Reinhard Liebholz vom Heimatverein den märkischen Naturgarten vor. Dieser Park wurde in den zwanziger Jahren eingerichtet. Der Bau der Straße von Frankfurt (Oder) nach Fürstenberg zerschnitt das Naturgebiet in zwei Hälften, den jetzigen Naturgarten und die Umgebung des Faulen Sees. Während des Zweiten Weltkriegs verlor der Park viele Bäume an Panzersperren, und in den Nachkriegsjahren an den Brennholzbedarf. In den Siebzigern und Achzigern geriet das Naturgebiet fast in Vergessenheit. „Das war die Zeit als hier nicht viel los war“, so Reinhard Liebholz, „dadurch, dass man hier Horch und Greif hatte“. 1992 entstanden im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Bänke, Treppen und Geländer, die den Aufenthalt im Naturgarten angenehmer machten. All das ließ die Stadtverwaltung 2006 wieder beseitigen. „Ich weiß nicht, was die Stadt da geritten hat“, kommentierte Reinhard Liebholz. Als Mitglied im Ortsbeirat bemüht er sich mit vielen anderen, wieder Bänke für den Naturgarten zu organisieren.
Schwierigkeiten, mit denen das Dorf ringt, wurden der Jury nicht verschwiegen. So hat der Ortsbeirat keinen Einfluss auf neue Häuser, die vom Frankfurter Bauamt genehmigt werden und mitunter nicht ins Dorfbild passen. Ein weiteres Sorgenkind ist die Autobahn. „Von dem Lärm werden wir alle gebeutelt“, beklagt die Ortsvorsteherin. Die Lärmschutzwand ist nicht durchgängig und hilft laut Aussage der Anwohner kaum. Die Jury hatte allerdings Glück: Während ihres Besuchs verstopften Autos und besonders Lastkraftwagen die Autobahn in Richtung Polen dermaßen, dass sie nicht so laut wie sonst werden konnten. Am Dorfsee, früher bei Badelustigen beliebt, steht jetzt ein Verbotsschild. Zum Einkaufen müssen die Dorfbewohner in die Stadt. Der ehemalige Lebensmittelladen ist heute ein Wohnhaus in Privatbesitz. Einmal stündlich hält ein Bus in Güldendorf.
Die Ortsbesichtigung endete an der Gaststätte Seeterrasse. „Unser größtes Projekt ist, dieses Vereinslokal barrierefrei zu machen“, erklärte die Ortsvorsteherin. Dafür sind die Güldendorfer auf Spenden angewiesen. Der örtliche DJ Holger überreichte sofort eine in Höhe von 150 Euro. Außerdem gab es kalte Getränke und Martin Göldner stellte den Karnevalsclub vor. Dann wurden Tauben steigen gelassen und die Gäste auf der Festwiese mit Kaffee und Brot aus dem Holzbackofen bewirtet.