Frankfurt/Oder (gla). Die Linke hatte zum Neujahrsempfang ins Foyer des Kleist Forums geladen.

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Wahlkampfs, denn René Wilke, Mitglied des Brandenburger Landtags und Fraktionsvorsitzender der Linken in der Stadtverordnetenversammlung, möchte dieses Jahr auch Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) werden. Zusammen mit seiner stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Sandra Seifert und dem Bundestagsabgeordneten Thomas Nord begrüßte er die vielen Gäste des Empfangs im Kleist Forum. Auf einem großen Bildschirm wurden Schwarz-Weiß-Fotos des Kandidaten gezeigt.
Zum Auftakt des Empfangs lief ein kurzer Film, der René Wilke vorstellte. Dort beschrieb der Kandidat Frankfurt mit den Worten „Heimat“ und „liebenswert“, aber auch „in sich zerrissen“ und „voller unausgeschöpfter Potenziale“. „Nach der Wende hatte Frankfurt vor allem mit Niedergang, mit Abriss zu kämpfen“, so René Wilke. Er sprach von einem Bedeutungsverlust, den seine Heimatstadt seitdem erlitten hätte. „Ich glaube fest daran, dass man Frankfurt seine alte Bedeutung zurückgeben kann.“ Frankfurt solle die erste Adresse für Menschen werden, die einen Wohnort außerhalb Berlins suchen.
Nach dem Film begrüßte Sandra Seifert die Gäste, besonders drei Mitbewerber René Wilkes für den Oberbürgermeisterposten: Markus Derling (CDU), Jens-Marcel Ullrich (SPD) und Amtsinhaber Dr. Martin Wilke (parteilos). Auch Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, die René Wilkes Kandidatur unterstützen, waren gekommen. Sie hätten „sehr intensiv, machmal zu intensiv“ um Programmpunkte gestritten, sagte Sandra Seifert.
„Frankfurt ist arm und nicht sexy“, sagte René Wilke zu Beginn seiner Rede. „Wer die Oderpromenade entlang läuft, trifft ab und zu auch Menschen. Und wer über den Ziegenwerder wandert, erinnert sich, wie schön es mal aussah. Das ist Frankfurt. Licht und Schatten. Widersprüche und Risse. Vor allem aber: Schier unendliche, unausgeschöpfte Potenziale.“
Seine Vision sei Frankfurt (Oder) als Hauptstadt Ostbrandenburgs, erklärte René Wilke. „Angesichts der Aufgaben vor acht Jahren, gab es damals gute Gründe für den jetzigen OB“, räumte der Linken-Politiker ein. „Heute und jetzt, braucht diese Stadt – das ist meine Überzeugung – eine andere Generation an der Spitze. Denn wir stehen vor anderen Herausforderungen.“ Zu diesen Herausforderungen zählte er das „Aufbrechen verkrusteter Strukturen“. Er kritisierte den Abriss von Gebäuden und Rückbau von Infrastruktur als „riesige Ressourcen- und Geldverschwendung“.
Als konkrete Verbesserungen, die er als Oberbürgermeister durchsetzen würde, nannte Wilke die Sanierung von Plattenbauten, Spielplätzen, Schulen, Kitas und Sportstätten. „Das schaffen wir nicht in einem oder in zwei Jahren, aber wir müssen die Haushalte der nächsten Jahre schon jetzt vordenken und mit Prioritäten versehen“, so Wilke. „Sie dürfen kein Stückwerk sein, sondern müssen einem langfristigen Plan folgen. Wir können nicht mit jedem Haushalt überall ein bisschen machen. Es muss jährliche Schwerpunktgeben. Ich bin mir sicher, die FrankfurterInnen verstehen das. Sie sind auch bereit ein Jahr zurückzustecken und eine Durststrecke zu überstehen, wenn gerade ein anderer Bereich dran ist.“  Er schlug vor, das ehemalige Kleist Theater als Brandenburgische Jugend Kunstschule neu zu eröffnen und das alte Kino in den Besitz der Stadt zu bringen. Auch die Innenstadt und den Ziegenwerder wolle er neu beleben. Von der Europa-Universität Viadrina verlangte er, die Vorlesungszeiten nicht mehr an Pendlern auszurichten.