Möbiskruge (hn). Viele Einwohnerinnen und Einwohner aus den Dörfern der Gemeinde Neuzelle und dem Spree-Neiße-Kreis protestierten gegen den ihre Straßen zerstörenden Lkw-Verkehr.

Der seit Ende März stattfindende Neubau der Dorchebrücke in Neuzelle sorgt für Unmut, die kilometerlangen 30er-Strecken auf den Umleitungsstraßen und damit verbundene Geschwindigkeitskontrollen provozieren so manche Zornesfalten bei Kraftfahrerinnen und  Kraftfahrern.
„Doch alles hätte nicht sein müssen”, ist die einhellige Auffassung der Demonstrierenden. Seit 20 Jahren kämpfen Verantwortliche der Gemeinde zusammen mit denen in Eisenhüttenstadt um die lange geplante Ortsumgehung, deren Vorhandensein das Problem kaputter Straßen in und zwischen den Dörfern gar nicht erst auf die Tagesordnung gebracht hätte.
Aber sollte die Ortsdurchfahrt nach der geplanten Fertigstellung der Dorchebrücke Ende Oktober wieder nutzbar sein, bleibt die Gemeinde auf vielen Kilometern kaputter Straßen sitzen, denn noch ist nicht geklärt, wer die Kosten für die Instandsetzung übernimmt oder ob eine Instandsetzung mangels finanzieller Deckung überhaupt stattfinden kann.
„Unsere heutige Demo hat das Ziel, die Landesregierung auf unsere kaputten Straßen aufmerksam zu machen”, sagte Kurt-Reiner Jantke, Mitglied der Bürgerinitiative „Ortsumgehung Neuzelle”. „Außer den Straßen wurden teilweise auch Häuser beschädigt.” Die Betroffenen richten nun die Forderung an die Landesregierenden, Geld zur Beseitigung der Schäden zur Verfügung zu stellen und sich endlich für den Bau der Ortsumgehung einzusetzen. „Hätten wir die Ortsumgehung, hätten wir die nun aufgetretenen Schäden nicht”, stellt er in diesem Zusammenhang fest.
Unzufrieden mit dem teilweise sehr desolaten Zustand der Straßen zeigte sich auch Amtsdirektor Hans-Georg Köhler. Dies hätte er bereits dem brandenburgischen Ministerpräsidenten und der Ministerin für Infrastruktur mitgeteilt und darum gebeten, Mittel für die Reparatur zur Verfügung zu stellen. „Wenn man es realistisch einschätzt, wird es noch einige Jahre dauern, bis die Ortsumgehung Neuzelle/Eisenhüttenstadt in Betrieb geht”, vermutet Köhler. Dem kann Gemeindebürgermeister Dietmar Baeler nur zustimmen. „Die Straßen sind in ihrem grundhaften Ausbau gar nicht für die nun darüber hinweg rollenden Tonnagen vorgesehen", erklärte er. „Und heute demonstrieren wir auch dagegen, dass keine Mittel für die Reparatur der Straßen vorgesehen sind.” Er befürchtet, dass der Zeitpunkt kommen könne, wo wegen der desolaten Straßen überhaupt kein Lkw-Verkehr mehr durch die Region rollt, was einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gleich käme. Dies müsse auch in Potsdam begriffen und dem Straßenmeister die entsprechenden Mittel bereit gestellt werden.
Kräftige argumentative Unterstützung bekamen die Neuzellerinnen und Neuzeller auch von Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin Dagmar Püschel: „Wir sind eine gemeinsame Region, und ich halte es für besonders wichtig, dass die gemeinsame Ortsumgehung kommt. „Schließlich seien es „ihre” Lkw, die aus dem Wirtschaftsstandort Eisenhüttenstadt durch Neuzelle fahren und sich dort negativ auf den Tourismus auswirken. Püschel verwies darauf, dass selbst im Bundesverkehrsministerium bemängelt werde, Brandenburg würde zu wenige Verkehrsprojekte zur Finanzierung anmelden.