Märkisch-Oderland (eb/geh). Um Ausbildung und Nachwuchskräftesicherung ging es in einer Gesprächsrunde, die Simona Koß, SPD-Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion veranstaltete.

Der Einladung waren der Minister für Wirtschaft und Energie, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), Michael Völker, Abteilungsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Ostbrandenburg, des Oberstufenzentrums Märkisch-Oderland, Dirk Seiring, Geschäftsführer der Tricus Dental GmbH Seelow als Vertreter der Ausbildungsbetriebe und Thomas Hetzer vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) gefolgt. „Ich habe in den zurückliegenden Jahren während meiner ‚Praxistage‘ eine Reihe von Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen in MOL besucht und kennengelernt. In diesem Jahr standen Fragen zur Ausbildung und Nachwuchskräftesicherung im Mittelpunkt. Wichtig war es mir, die gesammelten Erfahrungen nun mit Experten aus den Bereichen Schule und Wirtschaft auszuwerten“, begründete Simona Koß ihre Initiative für dieses Treffen.
Zustimmung erhielt Minister Steinbach bei seiner Analyse, dass die Wertschätzung für das Handwerk in den vergangenen Jahren ein großes Stück weit verlorengegangen ist. So setzen inzwischen noch mehr Berufe das Abitur voraus und es gebe immer weniger junge Menschen, die bereit seien, auch körperlich schwere Arbeiten auszuüben.
Mehr als 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler machen heutzutage Abitur, darunter auch viele, die gar nicht die Absicht haben zu studieren. Oft hätten die 15-Jährigen noch keine konkreten Vorstellungen, was sie später beruflich tun wollen. Deshalb sei eine gründliche Berufsvorbereitung sowohl in Oberschulen als auch Gymnasien von großer Bedeutung. Im Landkreis Märkisch-Oderland gebe es zum Beispiel Kooperationen mit dem Oberstufenzentrum, Praxislernen, Möglichkeiten für Praktika wie in der Berufsbildungsstätte der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) in Hennickendorf oder auch deutsch-polnische Projekte wie das zurzeit laufende des DPJW „Zusammen kommen wir weiter. Jetzt beruflich!“. Alles Chancen für die jungen Menschen herauszufinden, wo ihre Stärken liegen und welche Fachrichtung perspektivisch für sie in Frage käme.
Die anwesenden Experten aus Schule und Wirtschaft gaben den beiden Politikern eine Reihe von Vorschlägen und Ideen mit auf den Weg. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Oberschulen, zum Beispiel durch kleinere Klassen und den Einsatz von Sozialarbeitern an allen Schulen. Dann könnten sich die Lehrkräfte voll auf das Unterrichten konzentrieren. Noch mehr Praxisbezug während des Unterrichtes ist ebenso gewünscht wie verstärkt das Bewusstsein für das Handwerk zu wecken.
Den Anwesenden geht es auch um eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Berufsschulstandorten in Berlin und Brandenburg und Koordinierung. Mittels digitaler Unterstützung und entsprechender technischer Ausstattung Auszubildenden soll die Möglichkeit gegeben werden, keine weiten Wege zum Schulstandort zurücklegen zu müssen, sondern von vor Ort aus am Unterricht des Oberstufenzentrums teilnehmen zu können.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Simona Koß versprach, im Herbst dieses Jahres ein zweites Treffen durchzuführen – dann in einem etwas größeren Rahmen, in dem weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Schulen und Betrieben zu Wort kommen sollen.