Fürstenwalde (hn). Über seine Erkenntnisse zum Amateurfilm in der DDR referierte kürzlich der junge Doktorand Sebastian Thalheim von der Uni Münster im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Kurator Axel Drieschner begrüßte das ausschließlich ältere Publikum und erklärte, der Gast hätte sich vor einigen Monaten mit der Anfrage, ob privates Schmalfilmmaterial aus DDR-Zeiten im Archiv sei, an das Museum gewandt. Leider ist im Fundus nichts zu diesem Thema vorhanden, aber im Umkehrschluss konnte Thalheim gewonnen werden, über seine Forschungen zu berichten.
„Private Schmalfilme seien, sollte man meinen, frei von äußeren Vorgaben und Zwängen entstanden”, so Drieschner. „Wobei Wertvorstellungen der Gesellschaft immer wieder in das private Filmschaffen mit herein spielten“. Der Historiker Sebastian Thalheim freute sich, Einblick in seine Doktorarbeit, an der er seit zwei Jahren schreibt, geben zu dürfen. Unter dem Begriff „Wissenstransfer“ wolle er nun der Öffentlichkeit präsentieren, zu welchen Erkenntnissen er gekommen ist und welche Wechselwirkung mit seinem Publikum er erwarte.
„Meine Arbeit kann noch von Ihnen mit geformt werden“, so Thalheim. Genaue Angaben über die Zahl der Schmalfilmer in der DDR gebe es nicht, aber es werde geschätzt, dass es zirka 100.000 gewesen sein könnten -  zehn Prozent der Haushalte, was sich auch mit den Zahlen aus der BRD decke. In drei Bereiche gliedert der Doktorand die Amateurfilmszene der DDR auf: Reine Privat- beziehungsweise Familienfilme, Filme, die Amateur- und Betriebsfilmstudios produzierten und Filme, die mehr oder weniger öffentlich in der Kunstszene entstanden und die mit der Gefahr, verhaftet zu werden, verbunden waren.
Im Mittelpunkt der Erörterung standen auch Fragen, welche Motive und dargestellten Situationen erwartet werden, wer filmt, welche Preise das Equipment hatte, wie die Versorgung mit der Technik funktionierte und wie die Präsentation erfolgte.
Heraus kam, dass hauptsächlich Männer die Akteure mit der Kamera gewesen sind, dass Angestellte und Akademiker häufiger filmten, LPG-Bauern gar nicht und die Rolle der Frauen im Präsentieren der Technik in der Werbung bestand. „In der DDR gab es ein sehr modernes Frauenbild, technikbegeistert und selbstbewusst“, so Thalheim. Andererseits wären in der Werbung Rollenmuster abgerufen worden, die bestätigten, dass Filmen so einfach sei, „dass es auch Frauen könnten“.
An Hand von Bürgereingaben interpretierte der Referent die Versorgungslage in der DDR und die daraus resultierende Stimmung der Eingabenverfasser. Schließlich gab es noch einen sehr prägnanten Film aus der Rubrik „privater Film” zu sehen. Der Ehemann von Edith Wünsch, ehemalige Lehrerin an der Schule 1, filmte im Jahr 1958 mit seiner neuen Kamera den Umzug der Familie innerhalb Stalinstadts. Ein Film, der viel Beifall bekam.