Eisenhüttenstadt (for). Im Rahmen der Aktivitätenreihe zum Jubiläum „125 Jahre Oder-Spree-Kanal“ fand am Sonnabend ein Hafenfest beim Motoryachtclub Eisenhüttenstadt e.V. statt.

Der Motoryachtclub befindet sich im historischen „Mielenzhafen“, der gemeinsam mit dem Oder-Spree-Kanal in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag feiert. Das Hafenfest lockte wieder viele Besucherinnen und Besucher aus Eisenhüttenstadt sowie aus der nahen und ferneren Umgebung an. So fuhren auch einige Motoryachten in den Hafen ein. Mit dabei waren die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, die neben ihren Einsatzfahrzeugen auch einige historische Gerätschaften, wie uralte Feuerlöscher ausgestellt hatten. Auch die Wasserschutzpolizei zeigte Präsenz. Für die Kinder war eine Hüpfburg aufgebaut und gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern konnten sie auch einmal eine Motoryacht von innen ansehen. In der Halle des Vereins gab es eine Ausstellung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes unter dem Titel „Wir machen Schifffahrt möglich“. Auf mehreren Schautafeln wurde die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Oder-Spree-Kanal gezeigt, der ältesten Verbindung von Berlin zur Oder. In der Ausstellung trifft wasserbauliche Ingenieurskunst aus 125 Jahren eindrucksvoll aufeinander. Dazu wurde in einem historischen Film die Zwillingsschachtschleuse vorgestellt. Eine zweite Dokumentation gab über den historischen „Mielenzhafen“ Auskunft.
Die Geschichte des Hafens hier in Eisenhüttenstadt, der sich fast bis an die Karl-Marx-Straße erstreckt, reicht zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Gebraucht wurde ein Hafen für die 1886 errichtete neue Brikettfabrik. Als der Oder-Spree-Kanal eröffnet wurde, lief die Produktion an. Die Briketts mit dem Stempel „IDA“ konnten nun im eigenen Hafen direkt in den Kahn verladen werden. „Die Brikettfabrik hatte an der Südseite des Hafens ihren Ladeplatz. An der Nordseite wurden die verschiedensten Massengüter verladen. Es war damit von 1891 bis 1931 ein Kohlen- und Umschlaghafen“, erklärte Klaus-Jürgen Putzert, der Chronist des Yachtclubs, der auch diese Dokumentation erstellte. Der gesamte Werdegang des Hafens ist in dieser Dokumentation dargestellt. Erst im Jahr 1934 übernahm das Niederlausitzer Umschlag- und Schifffahrtskontor Fürstenberg (Oder) unter Leitung von Adolf Mielenz den Hafen. So zeigen Kopien aus dem originalen Verladebuch den Betrieb bis 1945. Als ab 1950 Das Eisenhüttenwerk und die neue Stadt (Stalinstadt) gebaut wurden, diente der, umgangssprachlich immer noch Mielenzhafen genannte Umschlagplatz dem VEB Bauunion als Umschlaghafen für Baumaterialien. Seit 1967 ist der historische Mielenzhafen nun Heimathafen für die Boote des heutigen Motoryachtclubs Eisenhüttenstadt e.V.. Die letzten baulichen Zeugen dieser Zeit finden sich noch auf dem Hafengelände. Das größte Gebäude aus Backsteinen wurde 1906 erbaut und steht am Eingang zum Hafengelände. Es beherbergte das eigene Kraftwerk, die „Elektrische Kraftzentrale“, für die Stromversorgung des Hafens. Auf dem hinteren Hafengelände findet sich noch das aus Ziegelsteinen 1896 erbaute Kontorgebäude, in dem später die Beamten wohnten.
Für große und kleine Interessierte des Wassersports gab es auf dem Hafengelände an diesem Tag viel zu entdecken und die Yachtbesitzer gaben gern Auskunft über ihre Boote.
Am 20. August 2016 gibt es den Tag der offenen Tür an der Schachtschleuse Eisenhüttenstadt und vom 19. bis 21. August findet das 20. Brückenfest in Fürstenberg (Oder) statt.