Frankfurt/Oder (kel). Es liest sich besonders spannend, wenn der eigene Sohn seinen berühmten Vater beschreibt.

Karl Hagen-Stötzer hat in der neuesten Ausgabe der Frankfurter Buntbücher über den Bildhauer Werner Stötzer geschrieben. „Ich musste nicht lange überredet werden“, sagte er, als er im Kleist-Museum das Buch vorstellte. Herausgeber sind Anette Handke und Wolfgang de Bruyn. Er hätte es sich jedoch leichter vorgestellt, gesteht der Autor. Die Fülle der Texte über und von seinem Vater war „überwältigend“.
Karl Hagen-Stötzer entschloss sich, meist seinen Vater selbst sprechen zu lassen, sich zurückzunehmen, wobei die Übergänge fließend sind. „Karl geboren – Gips holen“, notierte Werner Stötzer am 6. März 1978. Der damals 47-jährige Künstler war schon ein international anerkannter Bildhauer und Zeichner. Ausführlich beschreiben Vater und Sohn, wie sie im Oderbruchort Altlangsow ihr neues Heim fanden und renovierten. „Mit den Jahren ist so etwas wie ein Märker aus mir geworden“, so Werner Stötzer.
In Frankfurt (Oder) stehen viele seiner Skulpturen, darunter ein Mädchenakt im Lennépark und mehrere Sandsteinfiguren im botanischen Garten. Bis zur Wende stellte er meist realistische Skulpturen her. Danach folgte eine stärkere Hinwendung zum Abstrakten. Das ist zu sehen an den Entwürfen zu Michael Kohlhaas auf dem Hof des Kleist-Museums und in der Muschelkalkskulptur vor der Frankfurter Filiale der Sparkasse Oder-Spree.
Auf einem privaten Foto, das Buch enthält mehrere noch nicht veröffentlichte Aufnahmen, ist die Familie Stötzer  auf der eindrucksvollen Demonstration am 4. November 1989 in Berlin auf dem Alexanderplatz zu sehen. „Es ist schön, dass alle Menschen in unserem Land nun tun und lassen können was sie wollen“, schrieb Stötzer anschließend. Weiter etwas demütig, dass nun eine Zeit vorbei sei „in der Manne Lehmann sein Gras hauen konnte, wo er wollte und der politische Witz in der Kneipe Zündstoff war und eine Beerdigung durch einen Pastor einem stillen Aufstand gleichkam“.
Gegen Ende seines Lebens erhielt Stötzer den Auftrag, eine Pietà für den Domplatz in Würzburg anzufertigen. „Es werden schlappe fünf Tonnen Marmor sein, die ich bearbeiten muss“, schrieb er. „Der starke Karl ist nun aber soweit, dass er bei mir mitarbeiten kann“. Karl hatte Steinmetz gelernt und half. „Es waren schöne Monate mit ihm am Stein“, schildert Karl, der nun als Regisseur und Buchautor arbeitet.
Es war das letzte Mal. Am 22. Juli 2010 starb der Vater. Werner Stötzer wurde auf dem Friedhof in Altlangsow beigesetzt. Sein Grab schmückt eine schlichte längliche Stele mit einer Figur, angefertigt von seiner Frau, der Bildhauerin Sylvia Hagen. Mit „und wenn es da oben irgendetwas gibt, am besten ein schönes Stück Marmor, dann seid versichert, mein Vater hat Hammer und Eisen an Bord“, endet das 59. Frankfurter Buntbuch.