Eisenhüttenstadt (hn). Einen interessanten Vortrag über das breite Spektrum von Betrugskriminalität hörten die leider nur sieben Zuhörer am Dienstag im Stadtteilbüro „offis”.

Burkhard Lehmann von der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) hatte vieles aus seiner langjährigen Arbeit in der Kriminalitätsprävention zu berichten und begann mit einem Überblick über die Arten von Betrugshandlungen. „Die Betrüger sind bandenmäßig organisiert und treten immer sehr freundlich auf”, so Lehmann. Sie seien selten zu fassen und verlegten ihre Handlungsorte immer wieder nach kurzer Zeit in andere Regionen. Lehmann riet den Zuhörern, sich nicht kritiklos mit Fremden einzulassen, die irgendwelche Geldgeschäfte abwickeln oder in die Wohnung gelassen werden wollen.
Es ist erstaunlich, wie viele Möglichkeiten für Betrugshandlungen es gibt. Angefangen bei gefälschten Internetseiten, über die eingekauft werden kann, bis hin zum Enkeltrick haben Betrüger eine breite Auswahl wie Vorauszahlungen bei Warenbestellungen zu leisten, diese Waren dann aber nicht oder nicht wie bestellt zu liefern. Anrufer versuchen mit fragwürdigen Geschichten oder falschen Gewinnversprechen an das Geld anderer zu kommen, an Geldautomaten können Einrichtungen zum Kopieren von EC-Karten und mitlesen der PIN installiert werden. Hier empfiehlt Burkhard Lehmann, Geldautomaten im Inneren von Gebäuden zu benutzen und das Eingabefeld für die PIN so abzudecken, dass kein Fremder mitlesen kann. Auch sollten alle, die am Automaten Geld abholen, vorher und nachher genau die Umgebung beobachten, um festzustellen ob verdächtige Personen in der Nähe sind.
„Lassen Sie keine Fremden in ihre Wohnung, wenn geklingelt wird”, warnt der Polizist. „Möglicherweise wurden Sie nach dem Geld abheben ausgespäht und verfolgt.” Die Türkette sollte immer eingehakt bleiben, wenn jemand ein Glas Wasser oder einen Zettel für eine Nachricht an die Nachbarin haben will. „Sollte jemand medizinische Hilfe brauchen, kann er oder sie auch auf der Treppe warten, bis Sie den Notarzt gerufen haben. Aber soweit kommt es dann zumeist nicht, wenn die Täter merken, dass sie nicht weiterkommen, gesunden sie dann ganz schnell”, weiß Lehmann aus Erfahrung.
Vorsicht sei auch bei Gewinnversprechen am Telefon und geforderten Vorauszahlungen geboten. Viele Leser von Illustrierten lösen Kreuzworträtsel mit der Option, bei Einsendung der Lösung, eine Reise gewinnen zu können. Seriöse Reiseunternehmen werden Gewinner in diesem Fall jedoch nicht per Telefon, sondern auf dem Postweg kontaktieren.
Immer wieder komme es vor, dass falsche Polizisten, Handwerker, Bankmitarbeiter, Mitarbeiter von Energieunternehmen und so weiter unangemeldet an Wohnungstüren klingeln und Einlass begehren. „Hier ist Vorsicht geboten. Lassen Sie niemanden herein und erkundigen Sie sich beim betreffenden Unternehmen, ob der Besuch rechtens ist”, so Lehmann, Er verwies darauf, dass Polizisten blaue Dienstausweise mit eingedrucktem Passbild haben und auf der Rückseite die Nummer des Bürgertelefons zu finden ist, bei dem im Zweifelsfall angerufen werden kann.
Um einen Enkeltrick abzuwehren, sollten die Angerufenen sofort auflegen, sich niemals darauf einlassen, hohe Geldbeträge von ihrem Konto abzuheben und an Fremde zu übergeben, erst recht nicht, wenn zeitlicher Druck gemacht wird. Kein Autoschaden müsse innerhalb weniger Stunden behoben werden und kein Hauskauf könne in dieser Zeit abgewickelt werden. „Oder sagen Sie einfach, ich habe gar keinen Enkel”, empfiehlt Lehmann Der echte werde dann schon rebellieren. Gelingt der Enkeltrick, so der Experte von der Polizei, gehen den Betroffenen im Durchschnitt 12.000 Euro verloren.