Frankfurt/Oder (gla). Anfang des Monats zog der Syrer Naser Eddin Alnaser in die Oderstadt.

Drei Jahre ist es her, dass der damals 19-jährige Abiturabsolvent seine Heimat Aleppo verließ. Seine Flucht vor dem Bürgerkrieg führte ihn durch die Türkei, Griechenland, den Balkan, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Danach ging es von einer Flüchtlingsunterkunft zur nächsten: Garmisch-Partenkirchen, München, Hannover, Eisenhüttenstadt und Hoppegarten. Seine erste Wohnung fand der Syrer in Berlin.
Anlass für den Umzug nach Frankfurt (Oder) war ein Willkommensprogramm der Europa-Universität Viadrina. Dort absolviert Alnaser zurzeit ein Vorbereitungsjahr, um anschließend Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Bei dem Programm wird Flüchtlingen deutsch, englisch, Mathematik und elektronische Datenverarbeitung beigebracht. Alnasers Ziel ist es, die deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang zu schaffen. Einen Einstufungstest absolvierte der 22-Jährige schon im September.
Alnaser beschloss, eine Wohnung am zukünftigen Studienort zu suchen. „Das Pendeln von Berlin nach Frankfurt (Oder) ist nicht nur schwer, es gibt dann auch keine Zeit zum Lernen“, sagt Naser Eddin Alnaser. „Alle Leute wollen nach Berlin. Als ich sagte, ich will nach Frankfurt (Oder), haben alle meine Bekannten gefragt warum.“ Er versuchte es bei mehreren Frankfurter Wohnungsgesellschaften, ohne Erfolg. Schließlich fand er auf der Internetseite Ebay ein Angebot der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für eine Wohnung im Baumschulenweg.
Alnaser rief an und erhielt einen Termin am 10. Oktober 2018. Da er aber schon am 3. Oktober in Frankfurt war, sprach er bei Franziska Voß von der Hausverwaltung vor. „Sie hat mir einen Termin in zwanzig Minuten gegeben“, erinnert sich Alnaser. Jetzt wohnt er zusammen mit seiner Freundin, die er in Berlin kennenlernte, in der vierten Etage eines Würfelhauses. „Frankfurt (Oder) ist eine schöne Stadt, von dem was ich gesehen habe“, findet der Syrer. „In Berlin ist immer Stress. Niemand hat Zeit. Und manchmal dauert es in Berlin von Punkt A bis Punkt B eineinhalb Stunden. Von Frankfurt zum Alexanderplatz fahre ich eine Stunde, vom Alexanderplatz nach Spandau auch eine Stunde, dabei ist beides in Berlin.“ In der Hauptstadt hatte der Flüchtling einen Minijob als Paketzusteller, den er wegen seines Umzugs kündigte. Ein Mitarbeiter der AWO stellte Alnaser bereits einen neuen Minijob in Frankfurt in Aussicht. Nach dem Studium hofft Naser Eddin Alnaser, die Wirtschaftswissenschaft zum Beruf zu machen.