Seelow (daf). Die Regionale Planungsgemeinschaft Oderland-Spree hat über den dritten Entwurf des Sachlichen Teilregionalplanes „Windenergienutzung” entschieden.

Mit insgesamt 33 Ja- und vier Neinstimmen wurde der Regionalplan durchgewunken.
Noch vor der Sitzung haben sich zirka 80 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Kreiskulturhaus in Seelow zusammengefunden, um den Entscheidern zum Ausdruck zu bringen, welch eindeutige Meinung sie zum Thema Windkraftanlagen in der Region haben. So waren die Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative Mixdorf mit ihrem Sprecher Bernd Kochan anwesend. Aber auch Menschen aus Grunow, Fünfeichen, Carzig, Friedersdorf oder Diedersdorf, die ebenso von der Errichtung dieser Windkraftanlagen betroffen sind, stellten ihre selbstgemachten Plakate und Transparente zur Schau.
Mit Aufschriften wie „Windkraft - Monster im Wald” oder „Keine Windräder im Schlaubetal” haben die Verantwortlichen der Bürgerinitiative ihren Unmut deutlich dargestellt. Als die Mitglieder der Planungsgemeinschaft vor ihrer Sitzung das Gebäude betreten wollten, pfiffen und tröteten die Demonstranten auf sie ein, um an ihr Gewissen zu appellieren. Einige der Verantwortlichen reagierten lediglich mit einem Schulterzucken auf die vielen Plakate, Transparente und Gegenstimmen. Nur wenige Mitglieder der Regionalversammlung stellten sich den Fragen und Argumenten der Demonstranten.  
Dennoch wollen sich die Betroffenen nicht gänzlich aufgeben. „Es gibt auch ein Spiel danach”, kündigte Bernd Kochan an.
Am Ende der Sitzung versprach Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland, dass es vor Erteilen der Baugenehmigungen einen Bürgerdialog mit Anwohnern und Kommunen geben wird.
Die Regionalversammlung begann um 14 Uhr im Kreiskulturhaus in Seelow und dauerte fast drei Stunden lang. Kurz vor der ersten endgültigen Beschlussfassung erhob sich Regionalrat Wilfried Selenz und stellte einen Antrag zur Streichung des Windeignungsgebietes 61. Mit vier, die dafür sprachen, drei Enthaltungen und vielen Gegenstimmen war klar, in welche Richtung die Mitglieder der Regionalversammlung beim dritten Entwurf des sachlichen Regionalplanes tendierten.
Die Regionalversammlung hat die Abwägungsentscheidungen der Regionalplaner zu den mehr als 2.400 Einwendungen von Bürgern und Kommunen gegen den dritten Entwurf des Regionalplans durchaus zur Kenntnis genommen. Dazu mussten sie 14 Aktenordner mit fast 13.000 Seiten innerhalb einer Woche studieren.
Das Ergebnis der Sitzung wird für viele Betroffene nun schwerwiegende Folgen haben. Der Plan weist 33 neue Windeignungsgebiete aus. So soll es im Falle des Windeignungsgebietes 28 Wulkow-Booßen elf weitere Windkraftanlagen geben. Elf davon existieren bereits in Wulkow. Das hat zur Folge, dass die Bürgerinnen und Bürger mit weiteren bis zu 240 Meter hohen Windrädern, die nur einen Kilometer von Wohnungsgebieten stehen, konfrontiert werden. Zum Größenvergleich: Der Oderturm ist etwa 89 Meter hoch, die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz kommt der Dimension der höchsten Windräder schon sehr nahe.
Der Frust und die Enttäuschung sind nach der Sitzung entsprechend groß. Auch bei Joachim Hoszbach, Mitglied des Ortsbeirates in Booßen und Anwohner der Siedlung Peterhof. „Das einzig positive ist, dass mit diesem Beschluss die Gebiete eingegrenzt sind. Der Rest ist trostlos”, sagt er. Hoszbach hätte sich von Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke und Wolfgang Neumann, Vorsitzender der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und den anderen Mitgliedern der Regionalversammlung zumindest eine Stimmenthaltung gewünscht.
Aber der Einwohner von Peterhof will in der Angelegenheit noch nicht aufgeben. Bevor der Entwurf im Juni zur Stadtverordnetenversammlung geht, wollen die Betroffenen versuchen, die Stadtverordneten umzustimmen.
Den Demonstranten blieb nur Kopfschütteln. Eine betroffene Frau kritisierte noch vor der Sitzung: „Im Naturschutzgebiet. Sowas Dekadentes habe ich noch nicht erlebt”. Wieder andere gingen in ihren Gesprächen untereinander auf die mögliche Gesundheitsgefährdung mit Errichtung dieser Windkrafträder ein und fragten sich, warum darüber denn nicht endlich auch diskutiert werde.
Stefan Hellert, Sprecher der Bürgerinitiative Carzig sieht in der Errichtung der Windparks in erster Linie eine Umverteilung von Kapital, die zu Lasten der Bürger geht. Er sagt: „Es braucht endlich jemanden, der klar stellt, dass Windkraft nicht das Klima rettet“. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Carzig wollen den weiteren Prozess kritisch begleiten.
Auf einen kleinen Lichtblick können die Mitglieder der Bürgerinitiative Mixdorf noch hoffen. Amtsdirektor Matthias Vogel hat vor acht Wochen ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, und wird in der nächsten Woche ein Zwischengutachten an die Landes-Planungsbehörde in Potsdam übergeben. Den Betreibern der Windkrafträder wurde vorab bereits amtlich mitgeteilt, dass es in Mixdorf nachweislich Population des Roten Milan gibt. Das bedeutet: Windräder werden nicht aufgestellt. Auch dann nicht, wenn es der Regionalplan vorsieht. Amtsdirektor Vogel will die Landes-Planungsbehörde nun auffordern, Mixdorf aus der Planung herauszunehmen. Es mache einfach keinen Sinn, daran festzuhalten. Der Amtsdirektor zeigte sich optimistisch, dass „da noch was geht”.