Eisenhüttenstadt (hn). Zum Thema „Du kannst alles sein...” luden das Stadtteilbüro offis und der Verein Frauen für Frauen kürzlich zu einer Veranstaltung über sexuelle Vielfalt und Homophobie in die Kleine Bühne ein.

Begonnen hat die Veranstaltung mit der Vorführung des Films „Mein Sohn Helen”, der das Schicksal und die Probleme eines Jugendlichen beschreibt, der lieber ein Mädchen wäre.
Noch immer gibt es in weiten Teilen der Bevölkerung Ablehnung und Vorbehalte gegenüber Menschen, die als Schwule oder Lesben gleichgeschlechtlich orientiert sind. Noch schwerer haben es aber jene, die gemeinhin als Transgender bezeichnet werden. Das sind Menschen, die sich als im falschen Körper geboren fühlen. Obwohl die Wissenschaft inzwischen heraus bekommen hat, dass zirka acht Prozent der Bevölkerung einer jeden Generation sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, was keinesfalls durch Erziehung oder andere äußere Einflüsse willkürlich herbeigeführt, sondern auf eine zufällige Genkombination im Embryonalstadium zurück geführt wird.
Haben sie es schon schwer, im Alltag akzeptiert zu werden, ist die Lebenssituation Transsexueller noch viel dramatischer.  Drei bis fünf Prozent der Menschen sind transsexuell, und wer sich diesbezüglich zu erkennen gibt wie der Gast des Nachmittags Felicia Grauel, die früher Felix hieß, wird trotz vieler Möglichkeiten der Information von der Umwelt häufig geächtet. Als Felix führte sie ein ganz normales Leben, zeugte vier Kinder und verspürte im Alter von 52 Jahren ein plötzliches „Umschalten” im Gehirn, von da an wollte sie nur noch als Frau leben. Offen berichtete sie, was dann folgte, eine Odyssee der Gefühle und durch medizinische Einrichtungen. Die Familie hielt zu ihr.
Welche biochemischen Prozesse sich bei diesem „Umschalten” abspielen ist der Wissenschaft noch immer ein Rätsel. Fest steht aber, dass diese Menschen nichts dafür können. „Es war wie ein Blitz im Kopf”, sagte Felicia, „und es kann jeden treffen”. Akzeptierte die Familie diese Veränderung, stieß sie in Beruf und Umfeld auf teilweise massive Ablehnung, Diffamierung und Aggressivität, verlor ihre Arbeit als Erzieherin und findet trotz sechzehn spezieller Qualifizierungen im Erziehungsbereich keine Arbeit. Sie würde gern in einem Kindergarten arbeiten, muss jedoch von Hartz IV leben. Die Techniker Krankenkasse verweigerte ihr eine die Gesundheit herstellende Herzoperation, forderte, sie solle erst eine 18-monatige Psychotherapie durchlaufen. Drei Herzinfarkte überlebte die inzwischen 58-Jährige.
„Überall werden Erzieherinnen gesucht”, so Felicia, „aber wer sich als Transgender outet, ist stigmatisiert, obwohl jeder die Möglichkeit hat, sich das Wissen darüber zu verschaffen”. Sie kritisierte besonders, dass sich viele Entscheidungsträger und Mitarbeiter von Verwaltungen nicht die Mühe machen, sich zu informieren. Nach dem Film hatten die jugendlichen Gäste die Möglichkeit, ihre Fragen an Felicia Grauel, Jirka Witschak von der Potsdamer Beratungsstelle „Rat und Tat”, Elisabeth Schwarzenberg vom Frauenhaus und Melanie Göbel vom Stadtteilbüro offis zu richten.