Thälmannsiedlung (hn). Im Juli jährt sich zum 20. Mal der Tag, an dem die reißenden Fluten der Oder die Ziltendorfer Niederung unter Wasser setzten.

Aus diesem Grund luden der Pfarrsprengel Brieskow-Finkenheerd/Ziltendorf, der Anglerverein Oderblick-Aurith e.V. und das Amt Brieskow-Finkenheerd  am 9. Juni 2017 zu einem Gottesdienst auf die Festwiese am Gedenkstein der Oderflut in die Thälmannsiedlung ein.
Bereits von Weitem hörbar, wies die Musik der Bläserchöre Fürstenberg, Müllrose und Eisenhüttenstadt die Besucher den Weg zum Festplatz. Bevor Pfarrer Mathias Wohlfahrt die Gäste, darunter auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren Löschfahrzeugen, Ex-Landrat Dr. Jürgen Schröter, und andere zum Gottesdienst begrüßte, ergriff Amtsdirektor Danny Busse das Wort.
„In wenigen Tagen jährt sich zum 20. Mal ein Ereignis, welches bei vielen äußerst gemischte Gefühle hervor ruft”, so der Amtsdirektor in Bezug darauf, dass die Wassermassen, die durch den gebrochenen Deich in die Ziltendorfer Siedlung flossen, viele Existenzen unter sich begruben. Außer der Erinnerung an diese Geschehnisse solle aber auch der darauf folgenden Zeit gedacht werden, als eine einzigartige Welle der Hilfe, des Mitgefühls und der Solidarität einsetzte.
Viele, die bis dahin gar nicht wussten, was die Ziltendorfer Niederung ist, stellten spontan ihre Arbeitskraft für das Füllen von Sandsäcken zur Verfügung, spendeten Geld oder Sachen, um den Geschädigten zu helfen. Nachbarn rückten noch enger zusammen und unterstützten einander beim Wiederaufbau dessen, was die Natur zerstörte. Über Nacht obdachlos gewordenen Fremden wurde ein sicheres Dach über dem Kopf gegeben. „Es gab eine Solidarität, die man sich viel öfter wünscht, nicht nur in Notlagen”, so Busse. „Und heute wollen wir vor allem eines sein - dankbar.”
In seinen Ausführungen gedachte Pfarrer Wohlfahrt auch der Menschen in Tschechien und Polen, die zuerst von der Katastrophe betroffen waren und wo in den Fluten viele Menschenleben endeten. In diesem Gottesdienst sollte auch Dank gesagt werden dafür, dass hier keine Menschenleben zu beklagen waren. Insgesamt seien schöne Orte dort wieder gewachsen, wo das Wasser bis zum First der Häuser stand. Mathias Wohlfahrt verwies auf die Festschrift zum 700-jährigen Bestehen von Ziltendorf, worin auch die Hochwasser vergangener Jahrhunderte Erwähnung finden.
Die Predigt hielt Superintendent Frank Schürer-Behrmann aus Frankfurt (Oder). Er nahm Bezug auf das biblische Wasser, seine Bedeutung für das Leben, seine Wunder wirkende Kraft und seine Bedrohung für den Menschen.
Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gäste der Veranstaltung im Bürgerhaus zu Mittagessen, Kaffee und Kuchen und natürlich zu vielen Gesprächen und Erinnerungen.