Frankfurt/Oder (gla). Die Wichern Diakonie feierte diese Woche das 15-jährige Jubiläum des Hospizes „Regine-Hildebrandt-Haus“.

Dazu hatten sich ungefähr 100 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Freundinnen und Freunde des Hospizes in der Wichernkapelle getroffen. Musikalisch untermalt wurde das Programm von den Damen des Chors „Vocaliesen“. Sie sangen unter anderem Werke von Georg Philipp Telemann und Felix Mendelssohn Bartholdy.
Vor genau 15 Jahren wurde im Speisesaal des Landguts Gronenfelde die Eröffnung des Hospizes gefeiert, erinnerte sich Vorstand Matthias Kube. Nachdem er die Gäste begrüßt hatte, übergab er das Wort an Superintendent Frank Schürer-Behrmann. Der würdigte in seiner Rede die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Ihre Arbeit ist nicht nur eine schwierige, sondern auch eine besondere“. Etwa 45 Prozent der Menschen würden laut einer Statistik in Krankenhäusern sterben, und 25 Prozent zu Hause. Inzwischen seien „Hospize eine wieder neu entdeckte Möglichkeit“, was die starke Nachfrage im ganzen Land zeige. Im Regine-Hildebrandt-Haus wurden seit seiner Eröffnung etwa 1.900 Menschen begleitet. Er zitierte den Psalm „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. Auch wenn die große Mehrheit der Gäste des evangelischen Hospizes keiner Religion angehörten, fragen sich doch die meisten: „Worauf können wir am Lebensende hoffen“.
Im Anschluss übermittelte Matthias Kube Grüße von Jörg Hildebrandt, dem Witwer der 2001 verstorbenen Politikerin Regine Hildebrandt, nach der das Hospiz benannt ist. Sie hatte den „Mut, sich über manches hinwegzusetzen“, als bürokratische Hürden die Eröffnung erschwerten, sagte Kube. Ein aktuelles Beispiel einer derartigen Hürde sprach er als Überleitung zum Grußwort des Oberbürgermeisters an. Demnach verlangt die Stadt Marktgebühren für Wicherns nächsten Adventsmarkt, obwohl der auf dem eigenen Gelände stattfindet.
Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke versprach, sich das genauer anzusehen. Seiner Meinung nach ist die Gemeinde in der Pflicht, Initiative zu fördern. „Die Frankfurterinnen und Frankfurter sind stolz auf die Wichern Diakonie“, sagte er und lud die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizes zu einem gemeinsamen Frühstück ein.
Danach hielt Matthias Passon den Festvortrag. Er wurde als Palliativmediziner vorgestellt, bezeichnete sich aber selbst als medizinischer Hospizleiter: „Ich habe mich nur gut getarnt“. In seinem Vortrag hob er zwei „Ds“ hervor, die besonders wichtig wären: Dankbarkeit und Demut. Letztere sei aber nicht mit Unterwürfigkeit zu verwechseln.
Dann wurden die Ehrenamtlichen, Referentinnen, Referenten, Seelsorgerinnen und Seesorger geehrt. Statt der üblichen Bronzeengel wurden neu entworfene Skulpturen übergeben, für die es noch keinen Namen gibt. Eine Dauerspenderin erhielt ein Überraschungsgeschenk. Es folgte ein Grußwort von Ingolf Schulz. „Darf ich ganz ungewöhnlich anfangen?“ begann er und verbeugte sich vor den Mitarbeitenden. Seine Frau war vor genau drei Jahren mit einem schnell wachsenden Hirntumor ins Hospiz gekommen. „Das Hospiz war für meine Frau und mich die letzte gemeinsame Wohnung, unser Zuhause“, sagte er, „so viel Liebe und Wertschätzung ist mir selten begegnet“. Das sei ein Grund, in Demut dankbar zu sein.
Susanne Knüppel, Prokuristin und fachliche Leiterin der Wichern-Pflegedienste, überreichte Matthias Kube ein Modellschiff, da er oft gesagt habe: „Wir sitzen alle in einem Boot“. Zum Abschluss bedankte sich Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Junghanns bei den Mitarbeitenden: „Mit Ihrem Beistand stärken Sie die Würde des Menschen“, und der Frankfurter Bevölkerung: „Bleiben Sie uns weiter gewogen. Bleiben Sie unsere kritischen Begleiter“. Die Festveranstaltung klang mit Gesprächen und einem Buffet im Wichernsaal, im Café Luise und einem Raucherzelt aus.