Beeskow (hn). Große Freude war in den Augen von Florentine Nadolni, Leiterin des Dokumentationszentrums für Alltagskultur der DDR zu sehen, als Martina Münch, Kulturministerin des Landes Brandenburg und Landrat Rolf Lindemann die Vereinbarung zur weiteren Finanzierung des Museums in den nächsten vier Jahren unterzeichneten.

„Es ist sehr wichtig, dass diese Einrichtung in den nächsten Jahren weiter geführt werden kann”, erklärte der Landrat mit Verweis darauf, dass sein Vorgänger bezüglich des Erhalts des Museums, dessen weitere Existenz mehrmals auf der Kippe stand, vieles in die Wege geleitet hatte. Ihm komme es darauf an, bei Jugendlichen ein Geschichtsbewusstsein zu entwickeln, denn viele Jahre nach der Wende gerate einiges in Vergessenheit. Schülerinnen und Schüler könnten heute mit der Teilung Deutschlands nichts mehr anfangen, und es sei notwendig, beide Teile im Zusammenhang zu sehen. Dabei wünscht der Landrat, dass vor allem die jugendlichen Besucher einen Impuls bekommen, selbst weiter zu forschen.
Dass das Ministerium hinter der Unterstützung des Museums steht, bekräftigte Martina Münch. Ausschlaggebend sei dafür auch, dass das Dokzentrum ein Museum von nationaler Bedeutung ist und erfolgreich im Netzwerk von DDR-Museen agiert. Neben den vielen Heimatstuben, die jeweils einen örtlichen Bezug haben, gäbe es jedoch nur wenige Museen, die sich - wie das Eisenhüttenstädter - der intensiven Erforschung des Alltagsleben in der DDR widmen. „Häufig werde das Leben in der DDR auf die Diktatur reduziert”, so die Ministerin. „Aber die Menschen haben ganz normal gelebt, ihre Kindheit und Jugend verbracht, sind erwachsen geworden.” Vieles habe sich diesbezüglich vom Leben in der BRD gar nicht so unterschieden, und dies solle den heutigen Kindern und Jugendlichen nahe gebracht werden.
Im Anschluss an die Unterzeichnung der Vereinbarung, die dem Museum eine Förderung von bis zu 150.000 Euro jährlich von Seiten des Ministeriums und 215.000 Euro durch den Landkreis Oder-Spree einbringt, berichtete Florentine Nadolni über die Arbeit ihres Museums, neue Projekte, Vorhaben bezüglich der Konzentration der Depots und die Intensivierung der Vortragstätigkeit, warb dabei um den Besuch des Dokzentrums an den Weihnachtstagen. Das 1993 gegründete Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR widmet sich der Kultur-, Sozial- und Alltagsgeschichte sowie der materiellen Alltagskultur in der DDR. Es hat seit mehr als 20 Jahren rund 170.000 Gegenstände aus privaten Haushalten, ehemaligen Betrieben oder öffentlichen Einrichtungen gesammelt, von Hausrat über Bekleidung und Möbel bis zu Schallplatten, Büchern, Urkunden und Fotografien. Es zeigt seit 1995 wechselnde Ausstellungen, seit 2012 gibt es eine neue Dauerausstellung. Das Dokumentationszentrum befindet sich in einer ehemaligen Kinderkrippe im Zentrum der seit 1951 erbauten Modellstadt Eisenhüttenstadt. Die erste deutsche Stadtgründung nach dem Zweiten Weltkrieg ist das größte Flächendenkmal Deutschlands.