Ostbrandenburg (eb/geh). Sechs Jahre bestand der Fonds „Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 - 1990“. Nun beendet er seine Arbeit ebenso wie die Anlauf- und Beratungsstelle für das Land Brandenburg.

Der Fonds wurde im Jahr 2012 von Bund und neuen Bundesländern errichtet, um das Leid der Kinder und Jugendlichen in der Heimerziehung der DDR anzuerkennen und zur Milderung der Folgen beizutragen. Auf einer Abschlusstagung, die unter der Schirmherrschaft vom brandenburgischen Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke stand, wurde vorigen Mittwoch in Potsdam Bilanz gezogen.
Im Land Brandenburg hatten sich bis zum Anmeldeschluss am 30. September 2014 über 4.280 anspruchsberechtigte Betroffene an die Anlaufstellen gewandt. 3.530 Betroffene erhielten materielle Hilfen von bis zu 10.000 Euro und 1.777 Rentenersatzleistungen für die Arbeit, die sie in den Heimen verrichten mussten.
Die Aufarbeitungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Dr. Maria Nooke, die die Anlauf- und Beratungsstelle in Potsdam leitete, sagte dazu: „Mit dem Fonds Heimerziehung in der DDR haben Bund und Länder deutlich gemacht, dass unsere Gesellschaft sich mit dem Leid und Unrecht auseinandersetzen muss, welches Kindern und Jugendlichen in den Heimen angetan wurde. In der DDR ging es nicht zuerst um Fürsorge, sondern um Umerziehung zum ‚sozialistischen Menschen‘“.
Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg übte die Fachaufsicht über die Anlauf- und Beratungsstelle aus und war in dem Lenkungsausschuss vertreten, der die Arbeit des Fonds koordinierte. Ministerin Britta Ernst sagte: „Durch den Fonds konnte das Ausmaß des Unrechts der Heimerziehung in der DDR besser abgeschätzt werden. Aber vor allem hat er dazu beigetragen, den Opfern den Rücken zu stärken und die Folgen des erlittenen Leids zu lindern. Dass allein in Brandenburg fast 4.000 Betroffene unterstützt werden konnten, war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung. Wir können das Unrecht, dass diese Menschen im Kindesalter erlitten haben, nicht wiedergutmachen. Aber wir können dazu beitragen, dass sich ihr Leid nicht wiederholt. Wir stehen in der Verantwortung, ein demokratisches und solidarisches Miteinander zu gestalten. Wir wollen ein Land sein, in dem jeder ganz frei nach seinen Vorstellungen leben kann“.
Bei der Tagung ging es neben der Bilanzierung um den Dialog zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie konnten sich in verschiedenen Gesprächsrunden,  unter anderem zu den Themen „Schätze und Steine - was hat der Fonds Heimerziehung gebracht?“ oder „(K)eine gute Kindheit - Heimerziehung in der DDR und Heimerziehung heute?“ austauschen.
Alle Akteure kamen zu der Auffassung, dass es weiterhin Handlungsbedarf gibt. Politik und Gesellschaft seien auch in Zukunft gefragt, diejenigen zu unterstützen, die unter den Folgen der Heimerziehung bis heute leiden und sich immer noch gegen Stigmatisierung wenden.