Frankfurt/Oder (gla). Slubice und Frankfurt wollen zusammen an der Tourismusentwicklung arbeiten.

Das beschlossen die Stadtverordneten von Frankfurt (Oder) und der Gemeinderat von Slubice einstimmig in einer gemeinsamen Sitzung. Alle Fraktionen außer der AfD waren vertreten. Bürgermeister Tomasz Ciszewicz bezeichnete den Fremdenverkehr als einen „Bereich, der uns messbare Vorteile bringt“. Tourismus schaffe Arbeitsplätze und und würde zur Entwicklung der Infrastruktur beitragen. Obendrein würde eine Verbesserung der Freizeitangebote die Lebensqualität verbessern und neue Bewohner anziehen.
Besonderes Potenzial sieht Tomasz Ciszewicz beim Rad-, Wasser-, Einkaufs-, Kultur-, Stadt- und Naturtourismus. „Die Oder gehört zu den natürlichsten Flüssen Mitteleuropas“, sagte er. Gemeinsam festgelegte Grundlagen für konkrete Vorhaben seien notwendig, um Fördergelder von der Europäischen Union zu erhalten.
Was die Doppelstadt besonders attraktiv mache, ist laut Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke die Tatsache, dass Gäste sie als einen Stadtraum wahrnehmen und das Überqueren der Grenze kaum noch bemerken. Deshalb sieht auch er großen Nutzen in der Aufwertung des touristischen Images beider Städte, dem Ausbau der Infrastruktur und der Förderung der Zusammenarbeit.
Das Dokument zur Tourismusentwicklung umfasst 41 Maßnahmen. Renate Berthold vom Bürgerbündnis freute sich, dass sich darunter auch ihr Vorschlag befand, die Fahrpläne der Slubicer Busbahnhöfe zu übersetzen. Weitere Punkte sind die Beleuchtung der Stadtbrücke und verbesserte Mobilität auf der Rosa-Luxemburg-Straße.
Tomasz Ciszewicz gab bekannt, dass die Wojewodschaft die Finanzierung des Hochwasserschutzes für Slubice zugesichert habe. Geplant ist der Bau eines neuen Deichs am östlichen Oderufer. Dabei sollen Spundwände in den Boden gerammt und mit Erde gefüllt werden. Der alte Deich mit seinem Fuß- und Radweg und alle Bäume bleibt erhalten.
Ein weiteres Projekt ist der neue Kleistturm, für den inzwischen eine Baugenehmigung vorliegt. „Wir möchten eine touristische Attraktion schaffen“, sagte Ciszewicz dazu. Der Aussichtsturm könne ein Anziehungspunkt für Spaziergänge entlang des Deichs, Hafens und Stadions werden. Er soll zusammen mit zwei Freizeitgebieten neben der Ruine des alten Turms erbaut werden. Vorgesehen ist eine Höhe von dreißig Metern. Die Aussichtsplattform erhält ein gläsernes Dach und einen Glasboden. Der Turm wird mit LED-Lampen beleuchtet und videoüberwacht, so dass er auch nachts zu Besuchen einlädt. „Es gibt nichts Vergleichbares im Westen Polens oder im Osten Deutschlands“, so Ciszewicz.
Zum Schluss der Sitzung stellten die Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina Janine Nuyken und der Direktor des Collegiums Polonicum Dr. Krzysztof Wojciechowski ihr gemeinsames Projekt vor. Sie wollen eine gemeinsame Fakultät aufbauen. Sie wird Teil der Viadrina und der Adam-Mickiewicz-Universität Poznan nach dem Recht beidder Länder sein. Es wäre damit die vierte Fakultät der Europa-Universität. Ihr Arbeitstitel lautet bisher „digital studies“. Schwerpunkt der Studien werden rechtliche, ökonomische, gesellschaftliche und politische Auswirkungen des Digitalzeitalters sein.