Slubice (eb/gla). Anfang Oktober wurden am Oderufer deutsche Grabplatten und Grabsteine geborgen.

An mehreren der Grabmale sind noch deutsche Inschriften erhalten. Manche Funde sind zweiseitig beschrieben. Diese können eventuell jüdischer Herkunft sein. Es gibt auch ein paar Steine mit Symbolen beziehungsweise dekorativen Motiven, unter anderem Kreuze, Eichenblätter, Lilien, Sprossachsen von Farnen und Schmetterlinge.
Ein Stein in Gestalt eines offenen Buchs wurde schon enträtselt: „Julius Knobel, geb. 2. Mai 1871, gest. 5. April 1889“. Es geht also um einen 18-jährigen Jungen. Die zweite Hälfte dieses Buchs fehlt. Der Name Knobel ist unter anderem in einer Broschüre der Stolpersteine zu finden. Klara Loch geborene Knobel wohnte in der Großen Oderstraße 17. Vielleicht waren beide verwandt, vielleicht war Julius zum Beispiel ein Onkel von Klara. Der Name Knobel selbst war unter osteuropäischen Juden nicht selten.
Ein weiterer Stein erinnert an einen Frankfurter Gastwirt, dessen Name nur teilweise erhalten ist und eventuell Carl Friedrich Barsch lautet. Er lebte von 1797 bis 1874.
Sechs Freiwillige haben insgesamt 55 Fragmente der Grabplatten und Grabsteine von zwei Oderbuhnen rechts der Oder zurück zum Slubicer Kommunalfriedhof geholt. Zu den Helfern gehörten Roland Semik, ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter im Landkreis Slubice, Professor Dr. Grzegorz Podruczny vom Collegium Polonicum, Eckard Reiß vom Historischen Verein zu Frankfurt (Oder) und die Slubicer Familie Zarzecki.
Eckard Reiß fotografierte die wichtigsten Steine ab und hält Rücksprache mit Hebraisten, um herauszufinden, ob es sich auch um jüdische Steine handeln kann. „Und im nächsten Jahr geht die Bergung bestimmt weiter“, teilt Roland Semik mit. „Zwischen Slubice und Swiecko und zwischen Kunice und Urad liegen nämlich weitere Funde, die sich künftig am Lapidarium des Slubicer Kommunalfriedhofs befinden sollen.“