Ostbrandenburg. Wieder sind vor gut einer Woche Kinder und Jugendliche auf die Straße gegangen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Von Katja Gehring

 
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ riefen Kinder und Jugendliche Freitag vor einer Woche, als sie vom Frankfurter Bahnhof vor das Rathaus zogen. Zu dieser „Fridays for Future“-Demonstration hatten wieder die Waldorfschüler aufgerufen. Ihnen schlossen sich auch Jugendliche aus dem Städtischen Gymnasium und aus dem Gauß-Gymnasium (Foto) an. Gemeinsam hielten sie ihre Plakate mit Forderungen „Kauft regional – nicht global“ oder „Weniger Plastik“ hoch. Auf anderen Bannern warnten sie mit Parolen wie „Plastik oder Planet“, „Wir haben nur diese Erde“ und „Die Zeit rennt – Ihr pennt“. Die jungen Leute wollen damit Druck auf die Politik ausüben und die Erwachsenen für ihre Sorgen und Ängste um die Zukunft sensibilisieren. Zumindest im Ansatz hat das funktioniert: Auf dem Weg zur Treppe vor dem Frankfurter Rathaus schlossen sich reichlich Passanten dem Tross an.
Es war sehr bewegend, was sich vor gut einer Woche in der Innenstadt von Frankfurt (Oder) abspielte. Von der Polizei und vielen Erwachsenen begleitet, zogen die Mädchen und Jungen vor das Rathaus. Auf der Treppe zum Museum hatten dann alle die Gelegenheit, am Mikrofon ihrer Seele Luft zu machen.
Ein Sechstklässler nahm all seinen Mut zusammen und flehte die Erwachsenen an, ihre Kaugummis doch nicht mehr auf die Straße zu spucken, sondern sie lieber in die Papierkörbe zu werfen. „Welche Papierkörbe?”, fragte ein Mann, der weiter hinten stand. Eine Frau ergriff das Wort und forderte die Erwachsenen auf, die Kinder bei ihrem Anliegen zu unterstützen. Eltern und Großeltern, die zur Zeit der Demonstrationen zuhause sind, sollten mitlaufen.
Umweltdezernent Jörg Gleisenstein radelte von einem Termin an, als die kleine Kundgebung sich dem Ende neigte. Lediglich die letzten fünf Minuten konnte er aus der letzten Reihe mitverfolgen. Er bedauerte es sehr, dass er keine Gelegenheit für eine kurze Ansprache hatte.
Auch während der zweiten „Fridays for Future“-Demonstration in Frankfurt (Oder) war wieder Schulschwänzerei ein Thema, das am Rande – von Erwachsenen – diskutiert wurde. Einige Schüler aus dem Gauß-Gymnasium widerlegten die These, die Kinder hätten einfach nur keinen Bock auf Schule. Sie waren in ihrer Freistunde von West ins Zentrum gekommen, um für ihre Zukunft zu kämpfen.
Das findet Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke gut. Er kritisiert aber, dass dafür Schulstunden ausfallen. Und Bildungsministerin Britta Ernst ließ auf Anfrage mitteilen: „Wir begrüßen es, dass sich die Schülerinnen und Schüler politisch und gesellschaftlich engagieren. Wir haben großes Verständnis für ihr Anliegen, eine nachhaltige Umweltpolitik zu fordern und auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen. Das unterstützen wir. Neben außerschulischen Orten bietet selbstverständlich auch der Unterricht zahlreiche Möglichkeiten, die Themen Umweltschutz und Klimawandel aufzugreifen und zu diskutieren. Viele Schulen tun das. Das ist ein guter Weg. Wir schätzen das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Wir weisen aber auch darauf hin, dass die Schulpflicht nicht außer Kraft gesetzt werden darf. Wir vertrauen den Schulen. Sie gehen verantwortungsvoll damit um.“
Jan Augustyniak, Kreisvorsitzender der Linken, hingegen sagt über die jungen Demonstranten: „Ihnen gebührt unsere Achtung und unsere volle Unterstützung.“
Ein Schüler aus dem Gauß-Gymnasium findet: „Ich habe meine Freizeit für meine Zukunft eingesetzt. Das sollten alle, sowohl Schüler als auch Erwachsene machen, denn egal ob Schule, Arbeit oder nicht – wir müssen uns einsetzen, um denen, die momentan die Macht haben und regieren dürfen zu zeigen, dass das, was sie momentan machen, nicht unserem Willen, dem Willen des Volkes entspricht.“