Lebus (gla). An den Oderbergen wurde ein Gedenkstein aufgestellt.

Der Findling stammt aus dem Braunkohletagebau Nochten, kam aber ursprünglich während der Eiszeit aus Skandinavien. An seinem neuen Standort erinnert er an ein fränkisches Volkssturm-Bataillon, das an dieser Stelle den Vormarsch der Roten Armee aufhalten sollte.
Mehr als sechzig Leute kamen zur Einweihung des Gedenksteins im Mühlentag. Neben Lebusern und Frankfurtern fanden sich auch Besucher aus Franken ein, unter ihnen die Familie von Freytag-Loringhoven, die das Mahnmal gestiftet hatte.
„Was sagen Sie denn dazu, dass ich mich in dem Alter auf den weiten Weg gemacht habe?“, fragte Gerda Baronin von Freytag-Loringhoven bei ihrer Ankunft. „Ich bewundere Sie“, antwortete Peter Heinl, Bürgermeister von Lebus. Die 97-jährige Baronin ist die Witwe von Hanns Baron von Freytag-Loringhoven, der als Adjutant in dem Volkssturm-Bataillon diente.
Der erfahrene Offizier hatte wegen der Beteiligung seines Bruders Wessel Freiherr von Freytag-Loringhoven am Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler aus dem normalen Kriegsdienst ausscheiden müssen. „Es dürfte im wesentlichen meinem Vater zu verdanken sein, dass nur 41 Gefallene zu beklagen waren“, sagte Odo Baron von Freytag-Loringhoven. „Die anderen Volkssturm-Bataillons aus Franken wurden komplett aufgerieben.“ Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern des Volkssturms hatte Hanns Baron von Freytag-Loringhoven militärische Vorkenntnisse und sprach fließend russisch. Später hielt er seine Erinnerungen in dem Buch „Das letzte Aufgebot des Teufels“ fest.
Der Gedenkstein ist ausdrücklich auch den sowjetischen Soldaten gewidmet. Er diene nicht der Kriegsverherrlichung, sondern der Mahnung, betonen seine Stifter.
Neben dem Findling wurde eine Informationstafel aufgestellt. „Ich hoffe, dass alle Vorbeigehenden und -fahrenden sich diese Tafel durchlesen und erfahren, was hier an der Oder geschehen ist“, sagte Bürgermeister Peter Heinl. Sie erinnert an die Männer, „die eigentlich durch einen Wahnsinnigen in den Tod getrieben wurden“, so das parteilose Stadtoberhaupt. „Wir sind von Hitler belogen und betrogen worden“, fasste Gotlind Baronesse von Freytag-Loringhoven zusammen und sprach ihre Hoffnung aus, dass sich so etwas nie wiederhole.