Lebus (geh). Im Mühlen-Tal nahe der Stadt Lebus wird am Freitag, dem 13. April 2018 um 11 Uhr ein Erinnerungsstein feierlich an die Bürger und die Vertreter der Stadt Lebus übergeben.

Der Findling trägt die Inschrift „Volkssturm-Bataillon 7/108 Franken Februar 1945”. Dass der Stein seinen Platz nahe Lebus findet, geht auf die Initiative von Odo Baron von Freytag-Loringhoven, seiner Mutter Gerda Baronin von Freytag-Loringhoven und seiner Schwester Gotlind Baronesse von Freytag-Loringhoven zurück. Als im Raum Seelow Mitte April 1945 die verlustreichste Landschlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden stattfand, war Hanns Baron von Freytag-Loringhoven - Vater und Ehemann der Initiatoren - der Adjutant des Bataillons 7/108. Seine Erlebnisse hat er in seinem Buch: „Das letzte Aufgebot des Teufels“ sehr realistisch festgehalten.
Mit seinem letzten Aufgebot an Kämpfern, überwiegend Landwirten und nicht wehrdienstfähigen Männern, die zudem schlecht ausgerüstet waren, versuchte der unter Realitätsverlust leidende Führer das Unmögliche: Das Vorrücken der russischen Front, um den Preis der Leben dieser tapferen Männer, zu stoppen. Aus Franken wurden etwa 550 Volkssturm-Angehörige zusammengerufen, die aus Rothenburg ob der Tauber, Ansbach, Dinkelsbühl, Weißenburg/Gunzenhausen, vereint in vier Kompanien kamen und das Mühlen-Tal und die Stadt Lebus im Februar und März 1945 verteidigten. Im Gegensatz zu anderen Volkssturm-Bataillonen aus Franken erreichten zirka 400 Angehörige ihre Heimat im April 1945 wieder.
„Mit dem Findling versuchen wir, die damaligen Geschehnisse vor Ort und auch bei uns für die heutige Generation wachzuhalten und als Gedenken und Mahnung allen Vorübergehenden in bleibender Erinnerung zu halten”, so Odo Baron von Freytag-Loringhoven. Er will in diesem Zusammenhang erwähnt wissen, dass die Sponsorenschaft seiner Familie für die Aufstellung des Findlings keinerlei „Verherrlichung alter Zeiten” bedeute. Odo Baron von Freytag-Loringhoven versichert: „Es geht uns Beteiligten um ein Erinnern und eine Mahnung”.
Jürgen M. Gollmick, ein Freund der adligen Familie hat sich in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, dass das Aufstellen des Findlings zu einem Ereignis wird. Unermüdlich verfasste er Schreiben, die an die Bürgermeister von Ansbach, Rothenburg ob der Tauber, Weißenburg in Bayern, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Wassertrüdingen sowie an Vetreter der verschiedensten fränkischen Medien gingen. Gollmick warb mit dem Ereignis an sich, aber auch mit den Reizen, die das Oderbruch - wie zum Beispiel der Oder-Neiße-Radweg - zu bieten hat. Einige der eingeladenen Gäste haben ihre Teilnahme zugesagt.
Das Aufstellen des Gedenksteins, der aus Rapakiwi-Granit besteht, weiß Gernot Schmidt, Landrat des Landkreises Märkisch-Oderland zu würdigen. Er sagt: „Früher wie heute gilt, Fanatismus und Hass lassen sich schnell entfachen. Das Unheil, dass sie mit sich führen zeigt uns dieser Ort. Die Menschen die den Wahn des Krieges erlebt, darunter gelitten und darin umgekommen sind, seien uns Mahnung. Dieser Ort soll uns daher lehren Gewaltherrschaft abzuwehren, Zivilcourage und Toleranz zu üben und den Krieg als Mittel der Politik zu ächten. Er sei auch ein Zeichen an die Kriegsverehrer und Kleingeis-ter die von früher schwärmen und heroische Taten auf dem Schlachtfeld vermuten”.
Wer der feierlichen Zeremonie beiwohnen möchte, ist herzlich eingeladen. Die Stelle ist wie folgt zu finden: Aus Richtung Frankfurt (Oder) kommend auf der Bundesstraße 112 kurz vor Lebus gleich nach einer kleinen Brücke scharf rechts abbiegen und im Weg „Unterkrug“ auf der linken Seite einen Parkplatz suchen. Zu Fuß sind es dann noch ungefähr 250 Meter bis zur Oder.