Eisenhüttenstadt (hn). Über ein volles Haus konnte sich Verkehrsmoderator Gerhard Scheinert am Dienstag im Stadtteilbüro „offis“ freuen.

Die ausnahmslos im Seniorenalter befindliche Gästeschar erwartete ein Vortrag zum Thema Aggression im Straßenverkehr. Ausgehend davon, dass es in der Gesellschaft zunehmend egoistischer, aggressiver und rücksichtsloser zugeht, bietet der Straßenverkehr viele, keinesfalls akzeptable Möglichkeiten, Frust abzulassen, was immer mit einer oftmals bis ins Extreme gehenden Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer einher geht. Schwere Unfälle sind nicht selten auf rücksichtsloses, herausforderndes Verhalten zurück zu führen. PS-starke Autos, dominante Fahrer und eine fehlende generelle Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen tun ihr Übriges dazu.
„Wer fühlt sich im Straßenverkehr unsicher?“, fragte Scheinert zu Beginn der Veranstaltung. Es waren immerhin sechs der 22 Besucher, die sich auf der Fragetafel verewigten. Dann wurden auch schon viele Gründe dafür genannt: zu schnelles Fahren, zu dichtes Auffahren, riskante Überholmanöver, Missachtung der Vorfahrt insbesondere auf gleichrangigen Straßen, hupen und Lichthupe gehörten dazu. Besonders auf Autobahnen bringen schnelles Heranfahren und Drängeln so manchen anderen Verkehrsteilnehmer in Bedrängnis, ebenso wie Überholen von rechts, provokantes Ausbremsen und kurzes Wiedereinordnen nach dem Überholen.
„Gelassen bleiben und sich nicht ärgern“, riet der Moderator den Gästen. Es bringe nichts, auf gefährliches und fahrlässiges Verhalten oder Provokation durch andere in gleicher Weise zu antworten oder sich selbst zu Aktionen hinreißen zu lassen, die als Nötigung ausgelegt werden können. Da käme unter Umständen der § 240 des Strafgesetzbuches in Anwendung, mit Geld- oder Haftstrafe als Ergebnis.
Umfragen hätten ergeben, dass jeder dritte Autofahrer in aggressiver Stimmung am Lenkrad sitzt, wobei Männer deutlich öfter in Kampfstimmung sind als Frauen. Die höchste Fehlerquote zeige sich jedoch bei jenen Fahrern, die der Meinung sind, selbst fehlerfrei zu sein. „Seien Sie gelassen, bewahren Sie die Nerven“, so Scheinert, „lassen Sie sich nicht provozieren und geben Sie immer nach, Sie können den Anderen nicht erziehen“. Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen hält er für angebracht, denn überall, wo Geschwindigkeitsbeschränkungen vorhanden sind, geht es in der Regel ruhiger zu. Im Übrigen wäre allen mit dem § 1 der Straßenverkehrsordnung am besten gedient.