Frankfurt/Oder (gla). Am Dienstag streikten Bus- und Straßenbahnfahrer.

Von Betriebsbeginn bis 9 Uhr blieben alle Busse und Straßenbahnen im Depot. Die Gewerkschaft ver.di hatte zu dem Warnstreik aufgerufen. Sie fordert Lohnerhöhungen von 1,80 Euro pro Stunde. Am Streikposten vor dem Depot standen auch Jan Augustyniak, Kreisvorsitzender der Linken und Sebastian Walter, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds Ostbrandenburg und Linker Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Beide unterstützten den Streik, auch wenn darunter nicht die Arbeitgeber, sondern die Fahrgäste zu leiden haben. „Die Fahrgäste sind natürlich die Leidtragenden“, räumte Walter ein. „Aber es gibt immer Leidtragende. Ich glaube, auch die Fahrgäste wollen, dass die Fahrer vernünftig verdienen. Bei 11 Euro 70 sind wir schon fast im Aufstockbereich, was so nicht hinzunehmen ist.“
Fahrgäste, die wegen des Streiks bei Minusgraden zu Fuß gehen mussten, bittet der Gewerkschaftsboss um Verständnis: „Der Schuldige ist der Arbeitgeber, der vernünftige Löhne verweigert.“ Eigentümer der Stadtverkehrsgesellschaft ist die Stadt Frankfurt (Oder). Walter und Augustyniak nehmen aber die rot-rote Landesregierung in die Pflicht, endlich Geld in den öffentlichen Verkehr zu stecken.
Streikleiter und ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger wies darauf hin, dass in Brandenburg die bundesweit niedrigsten Löhne für Bus- und Straßenbahnfahrer gezahlt werden. Seit Jahren stecke das Land keine Mittel in die Verkehrsbetriebe und zwinge sie damit zu Einsparungen. „Und wenn der Ministerpräsident einen Mindestlohn von zwölf Euro fordert, weiß er offensichtlich nicht, wie viel Beschäftigte im ÖPNV verdienen“, sagt der Streikleiter und fordert die Geschäftsführer, Landkreise und Städte auf, den Druck auf die Landesregierung zu erhöhen. Bei den nächsten Verhandlungsrunden hofft er auf Angebote des kommunalen Arbeitgeberverbands, der die 15 öffentlichen Verkehrsbetriebe Brandenburgs vertritt, und warnt gleichzeitig vor dem Einsatz von Streikbrechern. „Wenn die wieder mit solchen Mitteln arbeiten, dann werden wir auch mit anderen Mitteln reagieren“, droht Gröger, „dann kündigen wir den nächsten Streik eben nicht vorher an.“