Groß Lindow (eb/geh). In den vergangenen Jahren hat der Landtagsabgeordnete Andreas Gliese (CDU) das Infrastrukturministerium immer wieder auf den schlechten und dringend sanierungsbedürftigen Zustand der Ortsdurchfahrt der Landesstraße 373 in Groß Lindow hingewiesen.

Ein besonderer Knackpunkt ist die marode Kanalbrücke, die bereits seit längerem nur noch einseitig für den Verkehr freigegeben ist. Schriftlich und offiziell musste sich die Landesregierung nun zum Sanierungsprojekt der Ortsdurchfahrt und Brücke positionieren, nachdem Andreas Gliese eine Kleine Anfrage gestellt hat. Nun liegt die Antwort aus dem Ministerium  vor.
Die gute Nachricht ist, dass Finanzmittel für Planung und Bau im Haushaltsplan 2019/20 bereitgestellt werden. Die schlechte Nachricht ist hingegen, dass die Regierung keine genauen Angaben zum Zeitkorridor des Sanierungsvorhabens Ortsdurchfahrt und Brücke in Groß Lindow macht. Im vorigen Jahr wurden 423 Meter der etwa 3 Kilometer langen Ortsdurchfahrt im Zuge des Gehwegbaus der Gemeinde instandgesetzt. Zum voraussichtlichen Planungs- und Baubeginn für die restlichen Straßenabschnitte aber kann das Ministerium zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen, weil der Landesbetrieb Straßenwesen die Einordnung von Maßnahmen im Grünen Netz derzeit noch prüfe, so das Ministerium.
Der vorliegende letzte Brückenprüfbericht von 2016 kommt zu dem Schluss, dass die Stand- und Verkehrssicherheit der Brücke nicht mehr voll gegeben ist und eine Sanierung für das Jahr 2020 anzusetzen ist. Demgegenüber verweist das Ministerium in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage lediglich darauf, dass die Fahrbahn der Kanalbrücke zurzeit eingeschränkt ist, weil die Randbereiche geschädigt seien. Um die vollständige Befahrbarkeit zu ermöglichen, sei in den kommenden Jahren eine Instandsetzung vorgesehen, heißt es - ohne einen genauen Zeitrahmen anzugeben und auf die anderen im Gutachten offen gelegten weitreichenden Schäden an der bereits 1860 erbauten Brücke einzugehen. Als kurzfristig erforderlich wurde die Schadensbeseitigung an der Brücke im Prüfbericht eingeschätzt. Weitere Schadensausbreitungen sowie Folgeschädigungen seien zu erwarten, heißt es nach der Vor-Ort-Begutachtung im Jahr 2015. Die Prüfergebnisse bescheinigen die Notwendigkeit einer „Grundinstandsetzung des Mauerwerks und eine Verstärkung des Überbaus durch eine lastverteilende Stahlbetonplatte“. Die Prüfer gaben der Brücke vor über drei Jahren noch eine Zustandsnote von 3,4.
Im Jahr 1996 erfolgte eine Tragfähigkeitsberechnung und -einstufung der Brücke, gibt die Landesregierung nun zu Protokoll. In den turnusmäßigen Bauwerksprüfungen bestätigten sich die Annahmen und Berechnungen. Obwohl in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nachweislich eine maximale Traglast von lediglich 5,5 Tonnen galt und im letzten Prüfgutachten eine Nutzungseinschränkung der Brücke als dringend geboten angesehen wurde, ist ein Befahren der Brücke trotz des schlechten baulichen Zustands bis heute für alle Fahrzeugtypen und ohne Traglastbegrenzung freigegeben. Durch die vorhandenen Stahl-Gleitwände sei ein Befahren der geschädigten Randbereiche an der Kanalbrücke verhindert, ebenso wie der Begegnungsverkehr von Lkw. Instandsetzungsmaßnahmen seien im Bereich der Straße im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht durchgeführt worden, heißt es weiter in der Antwort des Ministeriums.
Die Straßenverkehrszählung an der Messstelle vor Hammerfort unterscheidet nicht nach Verkehrszeiten mit und ohne Umleitungsverkehr. Die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) ist 2015 mit 1.455 Kraftfahrzeugen pro Tag, davon 44 Lkw gegenüber dem Jahr 2010 mit 1.357 Kfz pro Tag, davon 79 Lkw etwas angestiegen.
Für die in 2018 realisierte Instandsetzung des 423 Meter langen Streckenabschnitts fielen Planungskosten in Höhe von 23.900 Euro an, die Baukosten lagen bei 231.000 Euro. Zu den voraussichtlichen Kosten der Kanalbrücke könnten zum derzeitigen Zeitpunkt keine Angaben gemacht werden.
„Ich bin vorsichtig optimistisch, wonach Planungs- und Baukosten für das Verkehrsprojekt in Groß Lindow im Rahmen des Haushaltsplans 2019/20 laut Ministerium nun immerhin bereitgestellt werden sollen. Bei Planung und Bau sollte aber dringend ein höheres Tempo eingelegt werden. Wenn man Sanierungsvorhaben weiter auf die lange Bank schiebt, werden Kosten und Schäden sonst nur immer größer werden“, appelliert Andreas Gliese an die Regierung.
Laut Brückengutachten von 2016 wäre eine Schadensbeseitigung im Sinne der Stand- und Verkehrssicherheit kurzfristig geboten, eine Sanierung ist 2020 angesetzt. Gliese: „Dieser Zeitpunkt wird bei dem Schneckentempo der Landesregierung niemals eingehalten werden, obwohl die Probleme lange bekannt sind.“ Angaben zu Beginn und Kosten von Planung und Bau des Verkehrsprojekts in Groß Lindow könnten nicht gemacht werden. „Von den vollmundigen Versprechungen der Regierung im letzten Jahr ist faktisch wenig übriggeblieben. Statt gerade ländliche Regionen zu unterstützen, werden sie weiter abgehängt“, kritisiert Andreas Gliese. Der Zustand der Landesstraße 373 stehe exemplarisch für viele Landesstraßen in Brandenburg, deren kontinuierlicher Erhalt und deren Erneuerung von Regierungsseite jahrelang viel zu oft und zu lange vernachlässigt wurden. „Die Ortsdurchfahrt in Groß Lindow ist hier nur eine von vielen maroden Straßen im Land, für unsere Region aber eine entscheidende“, so der CDU-Politiker. Investitionen in die Straßeninfrastruktur seien seiner Ansicht nach eine wichtige Grundlage für Wohlstand und Lebensqualität. Anhand einer Großen Anfrage zum Thema „Substanzverlust Brandenburger Straßen aufhalten - Finanzielle Mittel für Straßen als zukunftsorientierte Investition in Innovation, Leistungsfähigkeit und Chancengerechtigkeit im ganzen Land Brandenburg begreifen!“ will die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag dieses wichtige Zukunftsthema wieder stärker und zentraler in das Blickfeld der Verantwortlichen rücken.