Frankfurt/Oder (gla). Handwerkerinnen und Handwerker Ostbrandenburgs erhielten ihre Meisterbriefe in der Konzerthalle.

78 Handwerkerinnen und Handwerker aus Ostbrandenburg wurden dieses Jahr in den Meisterstand erhoben. Bei einem Festakt in der Frankfurter Konzerthalle wurden die Meisterbriefe überreicht. Zu diesem Anlass erhielten auch 28 Handwerker der Region den Goldenen Meisterbrief. „Sie haben über 50 Jahre Qualität geliefert und Vertrauen aufgebaut“, lobte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber die Goldmeister. „Sie haben junge Menschen zum Handwerk geführt und sie ausgebildet. Sie haben Arbeitsplätze geschaffen und sind tief in der Region verwurzelt.“ Elf Leute feierten den Abschluss der Fortbildung zum geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung. Jörg Lehmann, Leiter des überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft wurde für seine Verdienste in den vergangenen 25 Jahren mit dem Ehrenzeichen des Handwerks in Silber ausgezeichnet.
Der Präsident der Handwerkskammer Wolf-Harald Krüger hieß neben den Meisterinnen und Meistern auch viele Ehrengäste willkommen. Dazu zählten Frankfurts Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke und sein Vorgänger, der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt, die Beigeordneten der Landkreise Rainer Schinkel, Michael Buhrke und Karsten Stornowski, der Hauptgeschäftsführer der Potsdamer Handwerkskammer Ralf Bührig sowie Vertreter der Handwerkskammern Gorzow, Poznan und Szczecin, die Wolf-Harald Krüger auf Polnisch begrüßte.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber versprach während seines Grußworts, sich für eine Abschaffung der Gebühren für die Meisterausbildung einzusetzen. „Während das Studium bis hin zum Doktortitel gebührenfrei ist, müssen Handwerksmeister für ihre Ausbildung bezahlen“, kritisierte der Minister. „Das ist ungerecht, da muss es eine Gleichbehandlung geben. Denn Handwerker sind ebenso eine wichtige Stütze unserer Wirtschaft. Sie stehen für Qualität, Regionalität und Beschäftigung.“
Die Festrede hielt die evangelische Pfarrerin Beatrix Forck. Wie Wolf-Harald Krüger erklärte, verbinden Kirche und Handwerk „von je her Werte, Traditionen und ein gutes Miteinander. Was liegt also näher, als einen kirchlichen Würdenträger, in unserem Falle eine Würdenträgerin, für die Übernahme unserer Festrede zu gewinnen?“ Da im Jahr 2017 das 500. Jubiläum der Reformation begangen wird, kam die Pfarrerin umgehend auf Martin Luther zu sprechen. Der habe nicht nur die christliche Religion verändert, sondern auch die Art und Weise des Zusammenlebens. „Dass die Deutschen sind wie sie sind verdanken sie auch der Reformation“, behauptete Forck.
Davor galt die Arbeit als Fluch, von dem nur Adlige und Geistliche verschont blieben. Es gab „wenig Wertschätzung für die, die die Werte schufen“, so die Pfarrerin. Sie widersprach der verbreiteten Annahme, Mönche wären landwirtschaftlich und handwerklich tätig gewesen, etwa beim Brauen von Bier oder Abschreiben von Büchern. Stattdessen hätten sie andere mit diesen Arbeiten beauftragt, und ihr Leben ausschließlich dem Gebet gewidmet. Das sei ein Grund gewesen, warum Martin Luther die Klöster abschaffen wollte. Der Reformator habe Berufsstolz und Berufsehre gestärkt. „Sie alle haben das Glück, nicht in entfremdeter und entfremdender Arbeit unterzugehen“, ermutigte Beatrix Forck die Handwerker.
28 Anwesende hatten vor fünfzig Jahren ihren Meisterbrief bekommen. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostbrandenburg Uwe Hoppe bezeichnet sie als handwerklichen Goldschatz. „Sie haben dafür gesorgt, dass unser Alltag funktioniert“, sagte er. Gemeinsam mit Präsident Wolf-Harald Krüger und dem Vorstandsmitglied der Sparkasse Oder-Spree Harald Schmidt überreichte er jedem der 28 Jubilaren den goldenen Meisterbrief, und als Geschenke einen Handwerkskammerschal, einen Puck und einen Werkzeugkasten.
Nach dem Grußwort von Albrecht Gerber und einer weiteren Laudatio von Uwe Hoppe wurden die Absolventen der Fortbildung zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung ausgezeichnet.
Dann bat Krüger alle Jungmeister im Saal, aufzustehen. „Mit dem Eintritt in den Meisterstand erwerben Sie neue Rechte, wie Sie auch neue Pflichten übernehmen“, erinnerte der Präsident. Handwerk bedeute stets Tradition und Fortschritt. Deshalb sei es wichtig, ein Leben lang zu lernen. „Mehren Sie durch Ihr tägliches Wirken das Ansehen des deutschen Handwerks“, mahnte Krüger, gefolgt von dem Satz: „Sie sind in den Meisterstand erhoben“.