Wriezen (eb/geh). Helmuth Caspar Graf von Moltke war zu Besuch am evangelischen Johanniter-Gymnasium.

Geschichte im Unterricht lebendig werden zu lassen ist zuweilen nicht leicht. Umso dankenswerter wird es von Schülerinnen und Schülern aufgenommen, wenn Geschichte in Form von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu ihnen kommt. Der 79-jährige Helmuth Caspar Graf von Moltke hat am Johanniter-Gymnasium Wriezen kürzlich eindrucksvoll über die deutsche Vergangenheit Zeugnis abgelegt.
Während er als Kind auf dem Gut Kreisau - Krzyzowa im heutigen Polen - lebte, wirkte dort die später als „Kreisauer Kreis” bezeichnete Widerstandsgruppe um seinen berühmten Vater Helmuth James Graf von Moltke. Dieser war ein junger Jurist, der ab 1939 als Berater für Völkerrecht in der Wehrmacht arbeitete und an dieser Stelle zunehmend feststellen musste, wie die Nationalsozialisten das Völkerrecht systematisch brachen. Bereits 1940 fanden auf seinem Landgut Kreisau die Treffen der Widerständler statt. In kleinen Vortragsrunden wurde dort über eine demokratische Neuordnung Deutschlands nach dem Kriege debattiert. Anwesende waren sich einig, diese nicht auf gewaltsamem Weg herbeiführen zu wollen. 1944 wurden die meisten Mitglieder des Kreisauer Kreises jedoch von der Gestapo verhaftet und hingerichtet.
Obwohl die Menschen im Kreisauer Kreis nicht aktiv gegen das NS-Regime vorgehen konnten, so ist die Rolle der Region im Widerstand gegen den Nationalsozialismus nicht gering gewesen. Dort wurden Grundlagen und Netzwerke für spätere, gewaltsame Umbruchversuche wie das Attentat vom 20. Juli durch Graf Claus Schenk von Stauffenberg gelegt.
Der in Amerika lebende pensionierte Rechtsanwalt entfaltete anschaulich das Bild einer düsteren Epoche und beantwortete offen die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu seinen persönlichen Ansichten über damalige und heutige politische Geschehnisse. Außerdem las er aus den Tagebüchern seiner Eltern vor und konnte dadurch eine lebendige Brücke von der Gegenwart in die Vergangenheit bauen. Das intensive und ausführliche Gespräch der Wriezener Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit dem Sohn des Widerstandskämpfers ermöglichte eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Problemlage der politischen Opposition im Dritten Reich.