Landkreis Oder-Spree. Diesen Sonntag, 27. November 2016 soll ein neuer Landrat gewählt werden. Katja Gehring sprach mit dem SPD-Kandidaten Rolf Lindemann über eine mögliche Zukunft in diesem Amt.

Katja Gehring: Herr Lindemann, Sie haben sich entschieden, für das Amt des Landrats zu kandidieren. Warum?
Rolf Lindemann: „Beim Rückblick auf 26 Jahre vielseitiger und interessanter Tätigkeit für unseren Landkreis - als Rechtsamtsleiter, Dezernent und Beigeordneter - liegen die Motive wohl auf der Hand. Allein die Mitwirkung bei den wichtigsten Projekten wie dem Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung, der Kreisgebietsreform von 1994 und ihrer organisatorischen Umsetzung, der Arbeitsmarktreform Hartz IV oder der Flüchtlingsunterbringung hat mir die unterschiedlichsten Erfahrungen beschert. Wenn man dann mit Verweis auf das gemeinsam Erreichte aus dem Kollegenkreis, dem politischen Raum, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern angesprochen wird, für dieses Amt zu kandidieren, dann empfindet man einerseits eine wohltuende Resonanz, andererseits aber auch eine Verpflichtung.“

Welche Themen liegen Ihnen - sobald Sie Landrat sind - besonders am Herzen?
„Mein inhaltlicher Schwerpunkt wird weiterhin im Sozialen, in der Bildung und der Kultur liegen. Ich stehe für eine lebendige Bürgergesellschaft, die Bürgerinnen und Bürger auch jenseits formaler Verfahren bei grundlegenden Entscheidungen sorgfältig informiert, Zusammenhänge und Gestaltungsspielräume darlegt und Einwände aufnimmt. Dazu gehört auch, dass man sich abzeichnende Probleme anspricht. Ich habe gerade bei der Unterbringung von geflüchteten Menschen im letzten Jahr mit dieser Offenheit gute Erfahrungen gemacht. Mir geht es darum, den sozialen Zusammenhalt in unserer lokalen und regionalen Gesellschaft zu fördern. Dabei sollten wir allerdings berücksichtigen, dass es nicht in erster Linie die rechtlichen Regeln sind, die eine Gesellschaft zusammenhalten, sondern vielmehr gemeinsame Werte, geteilte kulturelle Vorstellungen und ein gemeinsames Verständnis davon, was unsere Lebensqualität ausmacht. Ich möchte aber auch hinsichtlich der Zukunftsthemen: Stärkung des ländlichen Raumes, gleichwertige Lebensverhältnisse und demografischer Wandel Beteiligungsprozesse in Gang setzen, die in ein klares Konzept münden sollen. Hier sind kreative Ideen gefragt. Hier setze ich auf die Weisheit der Vielen.”

Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, Tempo in die Verwaltung zu bekommen. Wie wollen Sie das schaffen?
„Ich werde in einzelnen Bereichen die Organisationsstruktur wieder klarer fassen, sachverwandte Bereiche wieder unter eine einheitliche Führung stellen, die freien oder durch Abgang betroffenen Stellen gerade in der Verwaltungsleitung, sprich Beigeordnete, Dezernenten und Amtsleiterebene zügig nachbesetzen. Dazu werden wir uns den internen bürokratischen Auswuchs selbstkritisch ansehen, die Engstellen, an denen Entscheidungsprozesse stocken, identifizieren und ausweiten sowie unser Selbst- und Aufgabenverständnis zur besseren internen und externen Orientierung in einem Leitbild festschreiben. Die Kreisverwaltung verfügt über 1.200 gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Das ist ein beachtliches, kreatives und professionelles Potenzial. Deshalb gilt es, auf allen Ebenen noch stärker auf eine Führung zu setzen, die inspiriert, die orientiert und die die unterschiedlichen Entscheidungsbeteiligten zu einem einheitlichen Ergebnis führt. Dabei ist für mich wichtig, dass weniger in Zuständigkeiten als mehr in Verantwortung gedacht wird und vor allem, dass Entscheidungen in einem Geist der Ermöglichung getroffen werden.”

Freuen Sie sich auf die Direktwahl oder wären Sie lieber unter anderen Umständen zur Wahl angetreten?
„Der brandenburgische Gesetzgeber hat sich für eine Direktwahl der Landräte entschieden. Das sollten wir Bürger als Chance begreifen, unmittelbar Einfluss darauf zu nehmen, wer an der Spitze des Landkreises stehen soll. Mit der Direktwahl verbindet sich die klare Botschaft, dass man in Brandenburg starke, kommunalpolitisch wirksame Landräte wünscht, die auch besonders die lokalen Verhältnisse und die Bürgeranliegen im Blick haben.”

Sollten Sie die Wahl gewinnen, werden Sie sich dann für Ihr soziales Engagement weiterhin so viel Zeit nehmen wie bisher?
Das persönliche Kümmern um einzelne, vertrakte Fallgestaltungen wird mir in diesem Umfang sicherlich nicht mehr möglich sein, trotzdem bleibt es bei den von mir vertretenen Prinzipien: Das Leben spielt sich im Einzelfall ab. Diesen möglichst in allen Lebensbezügen zu erfassen, wird weiterhin mein Anliegen sein. Hier kann ich auf viele engagierte Mitstreiter zurückgreifen, die diesen Ansatz teilen.”

Wie stehen Sie zur Kreisgebietsreform?
„Damit sollten wir uns selbstbewusst auseinandersetzen. Der Landkreis Oder-Spree ist auch für die Zukunft gut aufgestellt. Das betrifft nicht nur die prognostizierten Einwohnerschwellenwerte, sondern auch die Finanz- und Verwaltungskraft. An den guten strukturellen Gründen, die seinerzeit für die Kreisstadt Beeskow gesprochen haben, nämlich die Stärkung des ländlichen Raumes, die zentrale Lage Beeskows im Landkreis und die Stärkung des Standortes durch 600 hochwertige Arbeitsplätze hat sich nichts geändert. Insofern werde ich mich wie bereits 1993 aktiv für die Kreisstadt Beeskow einsetzen.”

Wie dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger den Landrat Rolf Lindemann vorstellen?
„Zunächst als überzeugten Verfechter der kommunalen Selbstverwaltung, die durch persönliche Begegnung und persönliche Ansprechbarkeit der Entscheidungsverantwortlichen geprägt sein wird. Mein Interesse gilt auch weniger politischen, abstrakten Diskussionen, als ganz alltagspraktischen Antworten auf die Fragen, die die Bürger an die Verwaltung herantragen. Da die Verwaltungsaufgaben eines Landrates einen kommunalpolitischen Einschlag haben, werde ich einen engen Dialog mit den Fraktionen des Kreistages, aber auch mit den Städten und Gemeinden im Landkreis anstreben. Dabei wird mir sicherlich helfen, dass Kommunikation und Integration mein persönliches Lebensthema sind.“
Vielen Dank