Neuzelle (hn). Im Kloster Neuzelle wurde öffentlich für OperOderSpree geprobt.

„Diese Jahr haben wir uns für einen sehr heiteren Stoff entschieden”, kündigt Walter Ederer, von der Stiftung Stift Neuzelle an. „Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt ist die Geschichte von Orpheus und Eurydike, die sich im Eheleben entfremdet haben und nun in neuen Abenteuern feststellen, dass sie wieder zusammen finden sollten.” Die uralte Geschichte projizierte Offenbach als Persiflage auf die Pariser Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Regisseur Lars Franke ist in Neuzelle bekannt: Vor zwei Jahren inszenierte er hier „Wodka Cola”. Ihn faszinieren die großartige Opernmusik mit Dialogen und die humoristische Weise, wie Offenbach das Thema  auf sein damaliges Zeitbild umlegt. So seien die verschlafenen Götter eindeutige Kritik an der herrschenden Klasse. Mit Obergott Jupiter, der jede Frau verführt, soll Napoleon III. gemeint gewesen sein, der an dieser Kritik nachweisbar sein Spaß gehabt hatte. „Ich glaube, dass dieses Stück auch eine unglaubliche Aktualität hat”, so der Regisseur. „Unser Verhältnis zur Obrigkeit wird ja auch immer kritischer.” Bei der Auswahl der internationalen Akteure kam es Franke darauf an, dass diese nicht nur über sängerische Qualitäten verfügen, sondern auch die Texte sauber und für den Zuschauer verständlich sprechen können. Aus 200 Bewerbern wurden 40 zum Vorsingen und Vorsprechen eingeladen. Am Ende haben es elf geschafft.
Mit großem Spaß geht Lars Franke an die Inszenierung heran, stellt sich der Herausforderung, mit dem altgriechischen Stoff auf der Ebene von Offenbach umzugehen, wobei er jede einzelne Figur ernst nehmen will. „Offenbach hat ja was ganz tollen getan, indem er alle vermenschlichte. Und wenn man diese Menschen ernst nimmt, wird es ultrakomisch."