Frankfurt/Oder (gla). Bewohner der Franz-Mehring-Straße 15 wünschen sich barrierefreien Zugang.

Zwar verfügen die zehn Stufen, die zum Hauseingang führen, bereits über eine Rollstuhlrampe. Die ist aber viel zu steil, um ohne Hilfe bewältigt zu werden. „Wenn ich versuche, meine Frau im Rollstuhl hochzuziehen, kann ich sie gar nicht halten“, sagt Bewohner Manfred Richter, der wegen einer Beinprothese an Krücken geht. Im Haus wohnen laut Richter sechs Menschen mit Rollator und zwei im Rollstuhl. Auch Frauen mit Kinderwagen seien auf Hilfe angewiesen.
Norbert Franke, ein weiterer Mieter des Objekts, wendet sich nun in einem offenen Brief an den Vermieter: „Es ist eine Diskriminierung, wenn Menschen von Barrieren behindert werden. Deswegen wurden in Deutschland Gesetze erlassen, die Barrierefreiheit für alle herstellen sollen. Man kann das auch so sehen: Barrieren verhindern das Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe.“ Norbert Franke verweist dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention, DIN-Normen, das Behindertengleichstellungsgesetz und Verordnungen für den Mietwohnungsbau. Die Politik habe versäumt, Vermietern entsprechende Vorgaben zu machen. „Das Ergebnis liegt auf der Hand: In Frankfurt (Oder) sind gerade einmal gut 30 Prozent der öffentlichen Mietwohnungen barrierefrei erreichbar. In der Franz-Mehring-Straße 15 sind Bewohnerinnen und Bewohner schon seit gut drei Jahren dabei, die betreffende Wohnungsgenossenschaft, die WohnBau Frankfurt (Oder) zu bewegen, den Zugang zum Haus mit einer schiefen Ebene, einer Rampe, nach entsprechenden Standards barrierefrei zu gestalten. Der sanierungsbedürftige Eingangsbereich ist nur über eine steile Treppe mit zehn nicht normgerechten Stufen zu erreichen. Im Aufgang wohnen 43 Mietparteien. In der Vergangenheit wollte der Vermieter Kostenvoranschläge für die Realisierung einholen, was nicht erfolgte. Durch ihn aufgezeigte Probleme durch störende Leitungen entsprechen laut eingeholter Lagepläne nicht den Tatsachen. Und obwohl die Bewohnerinnen und Bewohner kein Problem in einer moderaten Mieterhöhung sehen und entsprechende Fördermittel bereitstehen, hat die Wohnungsgenossenschaft nun die Umgestaltung des Eingangsbereichs endgültig abgelehnt. Eine sachliche, fachliche Begründung dazu wurde nicht gegeben. Es erfolgte auch keine Bekundung, dieses Vorhabens in eine konkrete zeitliche Planung aufzunehmen. Dieser Umgang mit den Mietern ist ein Akt der Diskriminierung! Diskriminierung ist in den oben benannten Vorlagen, insbesondere in der UN-Behindertenrechtskonvention, genau beschrieben. Vor diesem Hintergrund wenden wir uns an die Öffentlichkeit und bitten lokale, regionale und überregionale Politiker und Bürger um aktive Unterstützung.“
Die WohnBau Frankfurt antwortete in einer Stellungnahme: „Die WohnBau Frankfurt verfügt per 31. Dezember 2018 über 6.924 Wohnungen. Bezogen auf den Kernbestand sind 758 Wohneinheiten (11,6 %) bereits komplett barrierefrei, weitere 1.357 Wohnungen (20,8 %) barrierearm. 4,6 % des Kernbestandes (300 Wohnungen) wurden in den letzten 5 Jahren durch eine Aufzugsnachrüstung beziehungsweise -sanierung erschlossen. Weitere 356 Wohneinheiten (5,5 %) werden in den nächsten Jahren so umgebaut, dass sich jedermann, insbesondere behinderte Menschen, ungehindert bewegen kann. Das bedeutet, dass nach Abschluss dieser Maßnahmen fast vierzig Prozent des Wohnungsbestandes der WohnBau Frankfurt barrierearm beziehungsweise barrierefrei sein werden.“
Konkret erwähnt die Genossenschaft die Prager Straße 34, die im August eine Rampe und automatische Haustür erhielt, die Schulstraße 17, wo 28 barrierefreie Wohnungen entstehen, und neue Aufzüge in der Großen Scharrnstraße. „Mit den Zugangsbereichen der 11-Geschosser in der Innenstadt hat sich die WohnBau Frankfurt intensiv beschäftigt. Sie verfügen über jeweils 43 Wohnungen. Durch die baulichen Gegebenheiten wird leider nur jede dritte Etage durch den vorhandenen Fahrstuhl versorgt. Der Bau einer Rampe könnte also nur für ein Drittel der Wohnungen eine barrierefreie Erreichbarkeit schaffen. Die Kosten würden jedoch alle Mieter belasten. Fördermittel stehen für Unternehmen für den Bau von Rampen nicht zur Verfügung. Unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung Frankfurts ist es der WohnBau Frankfurt wichtig, ihren Bestand zeitgemäß weiterzuentwickeln, um ihren Mitgliedern aller Generationen ein angenehmes, komfortables und möglichst barrierearmes Leben zu ermöglichen - und das zu bezahlbaren Mieten“.
Norbert Franke und Nachbar Bernhard Benk sammelten jetzt Unterschriften. 30 der Mietparteien hätten inzwischen unterzeichnet, sagt Franke. „Es haben alle unterschrieben, die wir erreicht haben.“ Vorher habe er alle Bewohner schriftlich über die mit einer Modernisierung verbundene Mieterhöhung informiert, und keine negativen Reaktionen erhalten. Die Liste will Franke bei einem geplanten Gespräch mit WohnBau-Vorstand Olaf Runge und dem Seniorenteam der Genossenschaft am 7. November 2018 vorlegen.