Neuzelle (hn). Am Montag begann in der Neuzeller Niederung der letzte Abschnitt der Rekonstruktion des Oderdeiches, bestehend in der Rücknahme des Deichverlaufes.

Damit soll die Flutungsfläche zwischen Oder und künftigem Deich um zirka 50 Hektar vergrößert werden.
„Wir können die Deiche nicht immer höher bauen”, so Minister Jörg Vogelsänger. „Wir müssen der Oder mehr Raum geben, sich auszubreiten und stellen dafür 8 Millionen Euro aus Mitteln der EU, des Bundes und des Landes zur Verfügung.” Umfangreich seien bei solchen Vorhaben die Vorbereitungen, angefangen bei der Suche nach Kampfmitteln über die Klärung von Grundstücks- und Eigentumsfragen, den Biberschutz bis hin zu archäologischen Vorgaben. Vogelsänger: „Vorrang vor allem hat der Menschenschutz”.
Bis zur Fertigstellung im Jahr 2020 werden ungefähr 15 Bauleute ständig am Vorhaben arbeiten, wobei 20 Prozent der Gesamtleistung von einheimischen Firmen zu erbringen sind. Bis zu 5.000 Tonnen Sand müssen täglich von 200 Sattelfahrzeugen aus Eisenhüttenstadt an die Baustelle transportiert werden. Für die Fertigstellung wird auch Material verbaut, das beim Rückbau des bisherigen Deiches anfällt.
Das Land Brandenburg hat in den vergangenen Jahren über 600 Millionen Euro für den Hochwasserschutz ausgegeben, davon rund 287 für die Sanierung an der Oder.
„Deichen oder weichen, es gibt keine Alternative”, sagte Landrat Rolf Lindemann. Er nahm damit Bezug auf ein nordfriesisches Sprichwort, das darauf hinweist, im Hinblick auf Gefahren, das persönliche Interesse hinter das der Allgemeinheit zu stellen. Bei solchen Vorhaben wie einem Deichbau sei in allen Fragen Transparenz geboten, um allgemeinen Ängsten und anderen den Bau verzögernden Problemen vorzubeugen. Mit diesem Spatenstich, so Lindemann, solle die Möglichkeit genutzt werden, über den Deichneubau zu informieren, seine Zwecke zu erläutern sowie die Beeinträchtigungen und Folgen zu erklären. Ausgehend von einem 200-jährigen Rhythmus solch extremer Hochwassersituationen wie 1997 schätzt er ein, dass der 2020 vollendete Oderdeich künftigen Hochwassersituationen gewachsen sein wird.