Frankfurt/Oder (geh). Am Montag wurde damit begonnen, in der Rathenaustraße Bäume zu fällen.

Kurz nach 7 Uhr wurden die Motorsägen angeschmissen. Passanten unterbrachen ihren Weg, blieben stehen und wunderten sich. Kurz hinter der Kreuzung von der August-Bebel-Straße auf die Rathenaustraße musste der erste Baum seine Äste lassen. Uwe Henning von der Frankfurter-Bürger-Initiative (FBI) telefoniert aufgeregt mit seinen Mitstreitern. „Schauen Sie sich das mal an. Das muss doch nicht sein“, meint der Frankfurter.
Vorigen Freitag hatte die Stadtverwaltung die Baumfällungen angekündigt. Auf die Frage, weshalb die Information so spät kam, antwortete Pressesprecher Uwe Meier: „Leider musste diese Fällaktion unter enormem Zeitdruck vorbereitet werden, denn man kann ja erst an die konkrete Planung gehen, wenn auch der finanzielle Rahmen geklärt ist.“ Andererseits erlaube das Bundesnaturschutzgesetz nur Fällungen bis zum 28. Februar. Bei einer so umfangreichen Maßnahme müsse laut Meier auch das Landesbüro der anerkannten Naturschutzverbände beteiligt werden - mit einer Bearbeitungsfrist von vier Wochen. „Anfang letzter Woche erreichte die Stadtverwaltung dann deren Stellungnehme mit mehreren Nachforderungen“, so der Stadtsprecher. „Dank der kurzfristigen Bereitschaft von Herrn Axel Bialas vom Frankfurter Naturschutzbund konnten am Mittwoch bei einem Vororttermin alle offenen Fragen geklärt und die weitere Verfahrensweise abgesprochen werden. In der Folge wurden am Donnerstag die entsprechenden Unterlagen nachgereicht. So dass am Montag die Fällarbeiten beginnen konnten. Bedingt durch diesen Zeitablauf war der vergangene Freitag der logische und nächstliegende Termin für eine Presseinformation“, nimmt Meier die Vorgehensweise der Stadtverwaltung in Schutz.
Allerdings lag zum Zeitpunkt der Fällung keine schriftliche Genehmigung dafür vor. Deshalb stoppte Rudolf Haas, Sprecher der Frankfurter-Bürger-Initiative und einer der Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl, die Fällarbeiten für die Zeitdauer von zwei Stunden. Erst gegen 9.30 Uhr traf die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zur Fällung aller Bäume ein. Uwe Meier teilte dazu auf Anfrage mit: „Die schriftliche Fällgenehmigung war erstellt, lag aufgrund der Kürze der Zeit nicht vor Ort vor.” Warum, hat er nicht erklärt.
„Würde man die Kriterien für die Fällentscheidung an der Rathenaustraße zugrunde legen, könnte man den gesamten Baumbestand in Frankfurt (Oder) platt machen“, so Rudolf Haas. Nach eigenen Angaben der Stadtverwaltung sind zwölf der 54 Bäume schon eingekürzt und 13 weitere Bäume müssten erneut beschnitten werden. „Anders gerechnet, ist mehr als die Hälfte der Bäume im Wesentlichen noch unbeschnitten und vor allem auch gesund“, stellt Haas fest. Ein solcher Baumbestand stelle ein wertvolles Kapital für eine lebens- und liebenswerte Stadt dar, insbesondere vor dem Hintergrund des eintretenden Klimawandels. „Die Fällung einer weitgehend intakten Allee, die hohen Kosten für die Neupflanzungen und der zusätzliche Aufwand in den nächsten Jahren für Pflege und wässern, ohne auch nur einen Bruchteil der Leistungen ausgleichen zu können, die von der Allee bisher erbracht werden, sind eine klimapolitische und naturschutzfachliche Schandtat“, so Rudolf Haas. Die FBI werde sich entschlossen dafür einsetzen, dass in der Stadtpolitik ein Umdenken einsetzt und der bestehende Altbaumbestand und „das Stadtgrün die Wertschätzung bekommt, die es verdient und die der Bedeutung für uns Menschen gerecht wird“. Während seiner langjährigen Naturschutzarbeit habe Rudolf Haas schon viele Fällaktionen erleben müssen. Er resümiert: „Aber so sehr unnötig wie diese, war noch keine davon.“