Frankfurt/Oder (gla). Seit kurzem hat die Stadt wieder Frauenschutzräume.

Die Johanniter haben eine Beratungsstelle für von Gewalt betroffene Frauen eröffnet. Sie ist im zweiten Obergeschoss des Ärztehauses an der Leipziger Straße 53-54 zu finden. Dort helfen Krystyna Orszulak und Marta Czyc von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffenen beziehungsweise bedrohten Frauen. Beide Johanniterinnen absolvierten kürzlich einen Selbstverteidigungskurs beim Deutschen Ju-Jutsu-Verband. Krystyna Orszulak verriet, dass sie sich obendrein in der israelischen Kampfkunst Krav Maga übt. Zum Angebot der Stelle gehört neben anonymer Beratung auch die vorläufige Aufnahme in Schutzräume, Unterstützung bei der Reintegration und Stärkung der Selbstständigkeit der betroffenen Frauen.
Bei der Eröffnung bedankte sich Uwe Kleiner, hauptamtlicher Regionalvorstand der Johanniter, bei der Stadtverwaltung, dem Amt für Jugend und Soziales und der Polizei für die unkomplizierte Unterstützung. Die Sparkasse half mit einer Spende von 1.252,35 Euro aus Lottomitteln. Kleiner zeigte sich besorgt, dass die Zahl gewalttätiger Übergriffe auf Frauen in Deutschland seit Jahren ansteigt. 2017 lag sie bundesweit bei zirka 140.000. „Das sind 380 Übergriffe am Tag“, so Kleiner.
„Schade, dass es so etwas geben muss“, sagte Oberbürgermeister René Wilke. „Wir wissen, dass in Frankfurt dieses Angebot eine Zeitlang weggebrochen war.“ Ende 2018 zog sich der Träger des letzten Frauenhauses aus Frankfurt (Oder) zurück. Seitdem gab es für von Gewalt betroffene Frauen nur die Möglichkeit, sich telefonisch zu melden, um Zufluchtsräume in den Landkreisen zu suchen. Die Stadtverordnete Sahra Damus (Bündnis 90/Die Grünen) sprach dieses Problem schon im März 2019 an. „Die Johanniter springen oft in die Bresche“, freut sich jetzt René Wilke. Bei ihnen wisse er die Frauenberatung in guten Händen.
Die Frauenberatungsstelle ist montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr besetzt. Telefonisch ist sie rund um die Uhr unter der Rufnummer 0335-40 12 33 00 zu erreichen. Bei akuter Bedrohung wird empfohlen, die Polizei unter 110 zu verständigen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können Frauen in Notsituationen in einer der Fluchtwohnungen aufgenommen werden.