Frankfurt/Oder (ds). Frankfurt (Oder) ist die Stadt in Brandenburg, in der bisher die meisten Stolpersteine verlegt wurden.

Stolpersteine. Das ist die von dem Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Aktion, die sich gegen das Vergessen der Greueltaten in Nazi-Deutschland richtet. Die Stolpersteine sollen die „Stolpernden“ zum Nachdenken anregen und verdeutlichen, dass der Nationalsozialismus überall seine Opfer gefunden hat.  
Verfolgung, Deportation und Ermordung richtete sich gegen Juden, politische Andersdenkende, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Homosexuelle und viele mehr. Passanten nehmen die Steine im Vorübergehen unbewusst wahr oder machen sich bestenfalls Gedanken, wie es dazu kam, dass Menschen mitten aus ihrem täglichen Leben herausgerissen wurden.
Die ersten sieben Stolpersteine wurden in Frankfurt (Oder) am 8. Mai 2005 verlegt. Am Mittwoch, dem  31. Mai 2017 kamen elf Steine hinzu. Der Künstler und Initiator des Projekts, Gunter Demnig, verlegte sie diesmal persönlich. Wegen seines vollen Terminkalenders ist das nicht immer möglich ist.
Um 9 Uhr ging es in der Bischofstraße 17 los mit einem Stolperstein für Felix Plage. Danach folgte das Einlassen eines Steins vor der Großen Oderstraße 18 für Paul Loch, der des Hochverrats angeklagt war und im KZ Buchenwald ermordet wurde. Schließlich erhielten auch Johanna Bykiel und Else Nathan, die beide 1942 deportiert und zwei Jahre später in Theresienstadt ermordet wurden, Stolpersteine in der Dr.-Hermann-Neumark-Straße. An der Gubener Straße 13a, dem Standort des ehemaligen Friedrichsgymnasium, an dem Alfred Neumark lernte und am Brenner-Haus an der Wieckestraße, das Ada Neumark während ihrer Schulzeit besuchte, ist das Pflaster nun von Stolpersteinen unterbrochen. Übrigens gelang den Neumarks die Flucht nach Palästina.
In der Gubener Straße 35, wo Wilhelm von Blume wohnte, wurde die Aktion im Beisein von Verwandten - dem Schauspieler Patrick von Blume und Harald von Blume - fortgesetzt.  Auch die Große Müllroser Straße 54, der Wohnort von Regina und August Seelhorst, die, wie auch von Blume, das Verbrechen begangen haben, Zeugen Jehovas zu sein, war vorigen Mittwoch Schauplatz der Stolperstein-Aktion. Die Zeugen Jehovas gehörten zu den allerersten die das NS-Regime in Konzentrationslager steckte. Heute ist die religiöse Gruppe hingegen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist. Wilhelm von Blume und August Seelhorst wurden im KZ Sachsenhausen schließlich ermordet. Die Stolpersteintour endete an der Lennestraße 8 für Oskar Wegner, der aus dem Arbeitserziehungslager Schwetig befreit werden konnte.
Es wird mit Sicherheit weitere Stolpersteinverlegungen in Frankfurt (Oder) geben. Eltern können mit ihren Kindern die Stolpersteine besichtigen, vielleicht sogar eine Stolpersteinpatenschaft übernehmen. Damit diese dunkle Zeit sich in Deutschland nicht wiederholt, sind alle gefragt. Es gilt, das Vergessen nicht zu vergessen.