Märkisch-Oderland (eb/geh). Veränderte Mobilitätsbedürfnisse, Zuzug aus Berlin und ein weiterer Anstieg der Pendlerzahlen in den Gemeinden des Landkreises, die an der S-Bahn-Linie 5 liegen, verschärfen die tägliche Verkehrssituation für Kraftfahrzeugnutzer in und aus Richtung Berlin.

Um die S-Bahnnutzung für Pkw-Fahrer attraktiver zu machen, haben die Gemeinden an den S-Bahnhöfen in den letzten Jahren Park+Ride-Plätze gebaut. „Es hat sich gezeigt, dass die geschaffenen Parkplatzangebote nicht ausreichen und Erweiterungsmöglichkeiten meistens nicht zur Verfügung stehen”, so Thomas Berendt, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Deshalb haben die Gemeinden im Rahmen des kommunalen Nachbarschaftsforums eine Untersuchung in Auftrag gegeben, wie der Busverkehr ausgestaltet werden sollte, um eine geschlossene Reisekette von der Haustür bis zum Arbeitsplatz in Berlin per ÖPNV zu ermöglichen.
„Mit dieser Untersuchung hat die Qualität der Zusammenarbeit im kommunalen Nachbarschaftsforum eine neue Qualität der Zusammenarbeit erreicht“, stellt Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe fest. Die Untersuchung hat ergeben, dass sich der Busfahrplan noch mehr dem Takt der S-Bahn anpassen muss und dass weitere Haltestellen geschaffen werden müssen.
Die Gemeinden Fredersdorf-Vogelsdorf, Hoppegarten und Neuenhagen bei Berlin haben nun entschieden, selbst das Busangebot zu verbessern und über den Landkreis als Aufgabenträger für den ÖPNV weitere Leistungen beim zuständigen Verkehrsunternehmen, der mobus GmbH, zu bestellen.
Nach langer Diskussion und intensiven Beratungen in den jeweiligen Gemeindevertretungen konnten die Bürgermeister der drei Gemeinden dann auch am Donnerstag, dem 5. Juli 2018, den Vertrag mit dem Landkreis Märkisch-Oderland unterschreiben. Er sichert ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 einen 20-Minuten-Takt in der Zeit von 5.30 Uhr bis 8.30 Uhr und von 15 Uhr bis 19 Uhr. In der Schulzeit beginnt der 20-Minuten-Takt schon um 14 Uhr.
Dieses zusätzliche Angebot bezieht sich auf die drei Gemeinden Fredersdorf-Vogelsdorf, Hoppegarten und Neuenhagen bei Berlin mit den Linien 940 bis 943, 945, 948, 949 und 951. Neuenhagens Bürgermeister Ansgar Scharnke, erst neu in das Amt gewählt, sieht mit dieser gemeinsamen Finanzierung des zusätzlichen Verkehrs „ein gutes Beispiel der kommunalen Zusammenarbeit“. Thomas Krieger, Bürgermeister von Fredersdorf-Vogelsdorf hat bei der Vertragsunterzeichnung festgestellt, „dass mit dem Vertrag zwar ein wichtiger Schritt geschafft wurde, aber das Ziel erst erreicht ist, wenn die Busse voll besetzt sind“.
Der Beigeordnete Rainer Schinkel als Verantwortlicher für den kreislichen Nahverkehrsplan könne sich vorstellen, dass „bei entsprechender Nachfrage auch Teile des zusätzlichen Angebots in den Nahverkehrsplan des Landkreises einfließen könnten, der sich derzeit in der Bearbeitung befindet“. Damit übernähme dann der Landkreis auch Teile der Finanzierungslast, die jetzt die drei Gemeinden tragen.
Natürlich funktioniere eine solche Verkehrsbedienung nur in enger Abstimmung mit dem Verkehrsunternehmen, so Berendt in seiner Pressemitteilung weiter. Deshalb war auch der Geschäftsführer der mobus GmbH, Daniel Kunath bei der Vertragsunterzeichnung anwesend. Für ihn stelle diese enge kommunale Zusammenarbeit in Märkisch-Oderland „ganz was Besonderes dar“, was er von anderen Verkehrsunternehmen der Rhenus-Gruppe nicht kennt.
„Jetzt müssen ganz schnell die zehn Busse bestellt werden, weil die Lieferzeiten auch ein halbes Jahr betragen“, blickt Kunath bereits in die Zukunft.