Frankfurt/Oder (daf). Am Mittwoch, dem 26. Oktober 2016, referierte Renate Nestler einfühlsam über ein sehr berührendes Thema, der „Demenzerkrankung”.

Es kann ein folgenschwerer Einschnitt im Leben sein, wenn ein Familienangehöriger plötzlich an Demenz erkrankt. Der Umgang und die Kommunikation muss meist komplett neu angepasst werden. Dabei stoßen viele Betroffene an ihre Grenzen. Um hier ein wenig Hilfestellung zu geben, referierte Renate Nestler, Leiterin der Alzheimer-Kontakt- und Beratungsstelle des ASB, anhand von Praxisbeispielen über den Umgang von Demenzerkrankten.
Bei Demenz handelt es sich um eine „hirnorganische Erkrankung die chronisch und nicht heilbar ist”, wie Renate Nestler definierte. Nicht jedes Medikament kann helfen. Dennoch konnten Fortschritte in der Medizin gemacht werden. Die Lebenserwartung von Demenzerkrankten konnte mehr als verdoppelt werden. Früher lag sie bei gerade mal acht Jahren, heutzutage zwischen 15 bis 20 Jahren.
Im nächsten Abschnitt trug Renate Nestler verschiedene Arten von Demenzerkrankungen vor. Dazu gehören Erkrankungen wie Alzheimer, vaskuläre Demenz oder das Korsakow-Syndrom.
Im Anschluss wurden die verschiedenen Ursachen kurz erläutert. Dabei stach ein Beispiel besonders hervor. Neben Vitamin-B-Mangel oder Schilddrüsenerkrankungen sind auch Alkohol- und Drogenmissbrauch Ursachen von Demenzerkrankung. Bei letzterer Ursache berichtete Renate Nestler dabei von einem 21-jährigen Opfer, dem dies widerfuhr.
Nach ruhiger Anfangsphase trauten sich die Gäste ebenfalls zur Wortmeldung, gerade als es dabei um die Symptome und eigene Erfahrungsberichte ging. Es waren sich nicht immer alle einer Meinung, aber es blieb stets konstruktiv.
Die Arbeit mit Demenzerkrankten sei besonders tagesabhängig. Der Start in den Tag weist den Weg. Wenn dieser misslingt „dann hast du den ganzen Tag verloren”, bestätigte auch eine Zuhörerin.
Um beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Demenzerkrankten zu trainieren, hilft „Puzzlen” oder „Mensch ärgere dich nicht”.
„Manchmal“, so Renate Nestler, „muss man lügen um Situationen zu deeskalieren“. Oft müssen sich Betroffene auch der Situation annehmen und viel Feingefühl mitbringen. So ein weiterer bewegender Erfahrungsbericht, als Renate Nestler von einer älteren Dame erzählte, die „jede Nacht entbinden” wollte. Es gab nicht wenige, die dabei die Augen etwas weiter aufgerissen haben als üblich.
Dass Demenzerkrankte aber auch sehr „pfiffig und trickreich” sein können, wurde von einigen ausgebildeten Pflegerinnen kommentiert. Gar „oskarreif” nannte Renate Nestler die Darbietung von Demenzerkrankten und fügte hinzu, dass neutrale Menschen oftmals nicht erkennen würden, ob eine Person demenzkrank ist oder nicht.
Nach einem sehr informativen Austausch bedankte sich Silvia Brand, Leiterin der Betreuungsstelle Frankfurt (Oder), bei Frau Nestler für ihre investierte Zeit und ihr Engagement mit einem Blumenstrauß.