Frankfurt/Oder (gla). Die Europa-Universität Viadrina gab ihren Neujahrsempfang.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde im Auditorium Maximum ein kurzer Film mit Szenen Studierender in der Stadt gezeigt. Er entstand im Rahmen eines Seminars der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. „Ein Film, der zeigt, dass die Viadrina sowie Frankfurt (Oder) und Slubice Menschen Möglichkeiten bieten, sich zu entfalten und einzubringen“, sagte der Präsident der Europa-Universität Professor Dr. Alexander Wöll in seiner Begrüßungsrede. Das Motto der Veranstaltung lautete: „Die Viadrina lebt vom Engagement“.
„2016 war ein welt-, europa- und deutschlandpolitisch außerordentlich turbulentes Jahr“, fuhr der Präsident fort, „Es hat einige meiner persönlichen Gewissheiten radikal in Frage gestellt. Was derzeit oft das Postfaktische genannt wird, nimmt vielerorts immer breiteren Raum ein. Man könnte auch sagen: Lügen greifen immer weiter um sich. Achtung und Respekt im gegenseitigen Umgang schwinden in einem solchen Klima in einem erschreckenden Ausmaß. Auch viele bewährte Grundsätze des Denkens und Handelns, die wir an der Universität zu Recht kultivieren, scheinen immer weniger zu greifen“.
Im Anschluss wurde Jürgen Vietigs langjährige Tätigkeit als Vorsitzender des Kuratoriums des Förderkreises der Europa-Universität gewürdigt. In seiner Dankesrede warb er dafür, dass sich noch mehr Frankfurter Firmen am Viadrina-Preis beteiligen. Er übergab den Vorsitz an Professor Dr. Dagmara Jajesniak-Quast, Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien an der Viadrina. „Bei dieser Arbeit will ich Sie gerne unterstützen, soweit ich das kann und soweit Sie es wünschen“, sagte Vietig.
„Ich nehme das nur an, weil ich weiß, dass ich Sie immer anrufen kann“, entgegnete seine Nachfolgerin. Das Beste an Frankfurt (Oder) und Slubice sind die Studierenden und die Oder, sagte sie.
Die Festansprache hielt Claus Detjen, Initiator des Viadrina-Preises. Er äußerte sich besorgt über den drohenden Zerfall der Europäischen Union. „Damit die Wurzeln europäischen Bewusstseins nicht absterben, braucht es Orte und Zeichen des Erinnerns und des Bekräftigens. Die Europa-Universität Viadrina ist ein solcher Ort. Der Viadrina-Preis ist das Zeichen dafür, dass Polen und Deutschland in ihrer Geschichte und in ihrer Gegenwart das Gemeinsame über das Trennende stellen können“, sagte er.
Detjen kritisierte, dass es in Brandenburg immer noch kein kontinuierliches Angebot für Polnisch-Unterricht an den Schulen gibt. Das läge an bürokratischen Hürden des Landes. Er führte noch weitere Beispiele für mangelnde Kooperation mit dem Nachbarland an: „Statt für die Sicherheitsinteressen Polens Verständnis zu erwecken, äußerte Ministerpräsident Woidke Besorgnis darüber, dass die amerikanische Brigade, die in Polen stationiert wird, mit Panzern und Soldaten durch Brandenburg ins Nachbarland zieht. Dazu passt ins Bild, dass sich die in Brandenburg mitregierende Linkspartei in ihren Protesten gegen den Truppentransport im Gleichklang mit der AfD findet“.
„Europa hat diesem Land Brandenburg unendlich viel gegeben“, fuhr Detjen fort, „Europa hat dieses Grenzland nicht im Stich gelassen, als es in die EU?aufgenommen wurde. Was wir als Wohlstand und Erneuerung erleben, ist nicht aus eigener Kraft entstanden. Europa hat gewirkt. Europa hat diesem Land nichts genommen. Es hat ihm die Mittel gegeben, zu seinen Traditionen und zu seiner Geschichte zurückzukehren. Jetzt ist Gelegenheit, etwas zurückzugeben“.
Weiterhin sagte Claus Detjen: „Diese Vorgänge hier anzusprechen heißt nicht parteipolitische Instrumentalisierung. Es unterstreicht, wie wichtig Vorbilder sind, die uns lehren, dass Nachbarn einander verstehen müssen, damit sie sich aufeinander verlassen können. Die Sensibilität Polens in Sicherheitsfragen erklärt sich aus seiner geographischen Lage und aus seinen geschichtlichen Erfahrungen. Dem Vergessen der Teilungen Polens in deutsch-russischem Einvernehmen entgegenzuwirken - hier in Frankfurt ist ein kompetenter Ort dafür“.
Er zitierte auch den Leitspruch des früheren Viadrina-Studenten Ulrich von Hutten: Die Luft der Freiheit weht. „Der Viadrina-Preis soll auch daran immer wieder erinnern: Die neue Viadrina konnte nur entstehen, weil nach zwei Diktaturen in Europa die Luft der Freiheit wehte. Der Europa-Universität wünsche ich, dass sie immer die Kraft behält, die Luft der Freiheit anzutreiben. Manchmal wird man für Europa die Luft der Freiheit in Sturmstärke brauchen“.
Florian Blume vom Allgemeinen Studentischen Ausschuss und Lennart Börgmann vom Studierendenparlament überreichten Einladungskarten zum diesjährigen Viadrina Day an Claus Detjen und Jürgen Vietig. Die Studierenden veranstalten am Viadrina Day eine Geburtstagsfeier zum 25. Jubiläum der Europa-Universität.
Zum Schluss dankte Professor Dr. Alexander Wöll den Organisierenden, Handwerkerinnen und Handwerkern, der Hausverwaltung und der Pressestelle der Viadrina für die Vorbereitung der Veranstaltung. Robert Hübner, Dirigent des Universitätsorchesters Viaphoniker ließ den Empfang musikalisch ausklingen.