Frankfurt/Oder (gla). Mit einem Origami-Projekt will Kinderbeauftragte Jaqueline Eckardt ein Zeichen für den Frieden setzen.

Unter dem Motto „Frankfurt macht Frieden“ sollen bis August 2020 zwei Millionen Papierkraniche gefaltet werden. „Wir wollen die längste Kranichkette der Welt basteln“, sagt Jaqueline Eckardt. „Deshalb wollen wir jetzt schon damit anfangen. Dann haben wir genug Zeit.“ Auf die Idee kam Eckardt, als ihre Familie im Rahmen eines Fachkräfteaustauschprogramms voriges Jahr einen japanischen Übernachtungsgast beherbergte. „Die Kollegin hatte Origami-Papier mitgebracht und mit den Kindern Kraniche gefaltet“, erzählt Eckardt. Dabei erklärte die Japanerin den Hintergrund: Sadako Sasaki war eine Hibakusha, eine Überlebende der Atombombenabwürfe von 1945. Als Folge der Strahlung erkrankte sie an Leukämie. Eine Freundin erzählte Sadako, wer 1.000 Kraniche faltet, hat einen Wunsch frei. Sadako stellte 644 Papierkraniche fertig, bevor sie der Krankheit erlag. Nach ihrem Tod falteten ihre Freunde die restlichen Kraniche, gründeten einen Kranich-Club und sammelten Geld für ein Mahnmal nahe der Bombeneinschlagstelle.
Jaqueline Eckardt entschied sich, diesem Beispiel zu folgen. Am 6. August 2020 jährt sich die Hiroshima- und am 9. August die Nagasaki-Bombe zum 75. Mal. Als Teil der Gedenkveranstaltungen würde Frankfurt (Oder) dann die Kranichkette präsentieren, die lang genug werden soll, um bis nach Prenzlau zu reichen.
Ehrenamtlich unterstützt von Anja Kreisel und Katrin Böhme ist Jaqueline Eckardt jetzt unterwegs, um besonders Kindertagesstätten und Schulen zum Mitmachen zu animieren. Bei einer Pressekonferenz im Rathaus zeigte die Kinderbeauftragte der gesamten Verwaltungsspitze, also Oberbürgermeister René Wilke, die Beigeordneten Claus Junghanns und Jens-Marcel Ullrich, die Dezernenten Milena Manns und Jörg Gleisenstein sowie Kämmerin Corinna Schubert, wie Kraniche gefaltet werden. Dazu ist Origami-Papier in der Größe 15 mal 15 Zentimeter erforderlich. Die fertigen Kraniche sollen die Mitwirkenden für den großen Tag aufbewahren. „Wir haben zu Hause schon 175“, sagte Eckardt, Mutter von zwei Kindern, während der Pressekonferenz. „Ich hoffe, Sie begleiten mich auf dem Weg zu ein bisschen Frieden mehr.“
Am Montag rief Jaqueline Eckardt eine weitere Aktion ins Leben. Die ehrenamtliche Kinderbeauftragte ließ einen Briefkasten in der Eingangshalle des Rathauses anbringen. Er ist für Ideenkarten bestimmt, die Eckardt zurzeit an Frankfurter Kitas und Schulen verteilt. „Da haben die Kinder die Möglichkeit, darauf zu malen oder darauf zu schreiben, was ihnen für Frankfurt (Oder) wichtig ist“, erklärt die Kinderbeauftragte. Stephan Golz vom überbetrieblichen Ausbildungszentrum entwarf den Briefkasten in der Form eines „Oderkükens“, der dann von Teilnehmern einere Aktivierungshilfe für Jugendliche im Ausbildungszentrum gebaut wurde.
„Es stimmt, dass Kinder sich bisher relativ selten an uns direkt wenden“, bestätigte René Wilke. Auch Milena Manns räumte ein, dass Angebote wie Einwohnerfragestunden sich eher für Erwachsene eignen. Mit dem Briefkasten gibt es jetzt eine Anlaufstelle für Wünsche, Ideen und Verbesserungsvorschläge der jüngsten Frankfurter. Er soll täglich geleert werden. Jaqueline Eckardt, Erzieherin von Beruf, hofft mit diesem Projekt Kindern auch die Teilnahme an der Demokratie beizubringen. Außer über den Briefkasten ist Jaqueline Eckardt unter der Adresse kinderbeauftragte@frankfurt-oder.de erreichbar.