Schwerzko (eb/geh). Der Protest gegen den weiteren Ausbau der Windkraft formiert sich zunehmend in den betroffenen ländlichen Gebieten.

Zuletzt gab es am 23. Mai 2019 eine Demonstration unter dem Motto „Schluss mit dem zügellosen Ausbau der Windkraft in Deutschland“ vor dem Berliner Kanzleramt. Auch in Brandenburg, das lange Zeit als Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien galt, stößt die Akzeptanz von Windkraft zunehmend an ihre Grenzen.
Der Widerstand der Bürger im Schlaubetal ist schon seit Jahren lautstark hörbar. Nun stößt auch das Windeignungsgebiet 58 zunehmend auf Widerspruch unter den Anwohnern. Für viel Unruhe und Gegenwind sorgten hier die von Mathias Wiese erstellten Illustrationen des geplanten Windparks bei Möbiskruge und Kobbeln. Sie wurden zu Bürgerversammlungen in Schwerzko und Diehlo von Manfred Zwicker vorgelegt und gemeinsam mit anderen ausgewertet. In Kobbeln ist eine weitere Zusammenkunft geplant.
Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Gliese hat sich die Visualisierungen (siehe unten) angesehen und zeigte sich schockiert von den Ansichten. Als einer von vier Mitgliedern der Regionalen Planungsgemeinschaft sorgte er mit seiner Gegenstimme gegen den Windregionalplan bereits im letzten Jahr für viel Aufsehen. Er forderte schon zuvor immer wieder das letztliche Entscheidungsrecht zum Bau bei den betreffenden Gemeinden, mehr Augenmaß und eine vor allem stärker regionale Betrachtungsweise bei dem Ausbau der Windenergie, die nicht einseitig auf dem Rücken der Peripherie stattfindet. Außerdem müsse die Privilegierung im Außenbereich nach §35 Abs. 1 Nr. 5 Baugesetzbuch, die es bisher ermöglicht, Windräder gewissermaßen überall aufstellen zu können, abgeschafft werden.
„Bei meiner ablehnenden Haltung zum Windregionalplan hatte ich bisher vor allem die Windeignungsgebiete 50 Schneeberg, 61 Grunow-Mixdorf und 38 Diehlo-Fünfeichen im Blick. Das Windeignungsgebiet 58 Möbiskruge-Kobbeln hatte ich dagegen nicht so sehr auf dem Schirm. Die Illustration von Neuzelle, die neue Skyline mit Klosterkirche und den gegenüber alles dominierenden Windrädern im Hintergrund hat mich aber nun aufgerüttelt und völlig umgehauen. Hier wird unser großes Pfund, eine regionale Perle, preisgegeben“, zeigt sich Andreas Gliese schockiert von der digital zu Papier gebrachten neuen Silhouette der Gemeinde. Ein großer Hoffnungsschimmer für Gegner der Baupläne ist momentan das noch anhängige Normenkontrollverfahren gegen den Teilregionalplan „Windenergienutzung“, das die Amtsverwaltung Schlaubetal mit seinem Amtsdirektor Matthias Vogel mit juristischer Unterstützung im November angestrengt hat.
Hat das Normenkontrollverfahren Erfolg, wird der Teilregionalplan unwirksam und das Moratorium der Landesregierung tritt in Kraft. Wo es keinen gültigen Regionalplan gibt, dürfen für mindestens zwei Jahre keine neuen Windkrafträder hingestellt werden. Andreas Gliese: „Bis dahin wird sich auch weiterhin der Widerstand und Protest bei zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürgern regen.“