Oder-Spree (eb/gla). Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) verkündete auf dem Landwirtschaftsempfang der SPD-Fraktion am Dienstag im Brandenburger Landtag, dass die Schweinehaltung in Brandenburg noch weiter ausgebaut werden soll.

Als Begründung nannte Vogelsänger die seiner Meinung nach niedrige Anzahl von Mastschweinen. So gebe es laut dem Agrarminister im Land etwa 800.000 Schweine in den Ställen. Damit sei Brandenburg ein „vieharmes Land“ im Gegensatz zu anderen Bundesländern. Vogelsänger geht davon aus, dass noch „weiter zu investieren“ sei, verkündete er in Potsdam.
„Als ob es das erfolgreiche Volksbegehren nie gegeben hat, will der SPD-Politiker das Land weiter mit Massentierhaltung überziehen. Von einer Kehrtwende ist nichts zu spüren“, kritisiert Kerstin Hellmich, Sprecherin der Dörfergemeinschaft Steinhöfel aus Tempelberg. Die negativen Begleiterscheinungen seiner auf stures Wachstum und Zahlenjongliererei basierenden Politik, wie die Verseuchung der Böden und des Grundwassers durch die Ausbringung von nitrathaltiger Gülle auf den Feldern, blendet der Minister völlig aus, sagt Hellmich: „Es ist unverständlich, warum der SPD-Politiker unbedingt die Fehler aus anderen Bundesländern wiederholen will, zu Lasten der vor Ort ansässigen Bevölkerung.“
Statt weiter die Massentierhaltung zu propagieren, sollte der Minister lieber seine Hausaufgaben machen, fordert Hellmich. „Spätestens 2012 hätten Bund und Länder die Vorschriften zum Schutz der Gewässer vor zu viel Nitrat aus der Landwirtschaft verschärfen müssen“, erklärte sie. Da bislang nichts passiert sei, werde Deutschland nun von der Europäischen Union verklagt. Auch in Brandenburg gibt es bereits Überschreitungen von Grenzwerten für Nitrat. Überhöhte Mengen von Nitrat führen zu starken Wasserverunreinigungen und verringern die biologische Vielfalt in den Gewässern. Eine Nitratkonzentration über dem gültigen Grenzwert kann nach Angaben der EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben, insbesondere auf schwangere Frauen und Kleinkinder.
Indes droht der Gemeinde Steinhöfel weiteres Ungemach. Obwohl die geplante Hähnchenmastanlage unweit von Tempelberg noch immer nicht vom Tisch ist, plant ein neuer Betreiber eine Massentierhaltungsanlage in Gölsdorf, nur wenige Kilometer neben der bereits bestehenden riesigen Schweinemastanlage in Eggersdorf bei Müncheberg. Laut einer Bekanntmachung des Landesamtes für Umwelt vom 9. November 2016 sollen dort zukünftig 900 Bullen und 768 Schweine gemästet werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitbeteiligung wird es hingegen nicht geben, teilte die nachgelagerte Behörde des Landwirtschaftsministeriums mit. Das Vorhaben befindet sich derzeit noch im Planungsstadium. Wann die Anlage in Betrieb geht, ist noch unklar.
„Minister Vogelsänger mag im fernen Potsdam ein Loblied auf den ländlichen Raum singen, wenn er uns aber durch eine industrialisierte Agrarwirtschaft unsere Lebensgrundlage raubt, muss sich keiner über noch mehr Landflucht wundern“, sagt Kerstin Hellmich. So sind die damaligen Befürchtungen gegen die Eggersdorfer Schweinemast bereits heute bittere Realität geworden. „Es gib Tage an denen ist der Gestank so erbärmlich, dass es einem Tränen in die Augen treibt“, berichtet die Tempelbergerin. Seit Jahren engagieren sich Menschen im Seenland Oder-Spree für eine nachhaltige Landwirtschaft und den Erhalt der Kulturlandschaft. Erst vor wenigen Wochen waren viele Menschen aus der Region unterwegs, um über 50 neue Obstbäume zu pflanzen. Zusammen mit den Brandenburger Landfrauen wollen die Aktiven vor Ort einen Apfelerlebnispfad aufbauen.