Ostbrandenburg (eb/geh). CDU und Grüne wagen einen Vorstoß, mehr heimische Lebensmittel in Kantinen anzubieten.

Eine Große Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag zum Thema „Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Lebensmittel in Brandenburg“ bildete die Grundlage für einen zusammen mit der CDU-Fraktion verfassten und in den Landtag eingebrachten Antrag, der in den Reihen der Regierungskoalition allerdings keine Zustimmung fand. Ziel der grün-schwarzen Initiative ist es, mehr regionale und auch ökologische Agrarprodukte herzustellen, zu Lebensmitteln zu verarbeiten und auf Brandenburger und Berliner Teller zu bekommen.
Ein stabiler und dadurch verlässlicher Absatzmarkt wären die Kantinen beziehungsweise Catering-Firmen in Krippen, Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen. Mit gutem Beispiel vorangehen sollten nach dem Willen von CDU und Grünen die Kantinen der Landesverwaltung. Auf diese Weise könnten einerseits heimische Betriebe in ländlichen Regionen unterstützt und andererseits Belastungen der Umwelt durch kurze Transportwege reduziert werden. Die große Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln, auch in Bio-Qualität übersteige derzeit das Angebot, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Bürgerbüro von Andreas Gliese (CDU). Das große Entwicklungspotential des Brandenburger und Berliner Marktes werde bei weitem nicht ausgeschöpft.
Verbraucher nennen die regionale Herkunft beim Lebensmitteleinkauf als zweitwichtigstes Kriterium zum Kauf. Ein Großteil der Konsumenten sei nach Angaben der Regierung sogar dazu bereit, für regionale Produkte höhere Preise zu zahlen. Die Regierung offenbart in ihren Antworten, dass es in Brandenburg an Gartenbaubetrieben mangele, die über Produktionsverfahren und Infrastruktur verfügen. Die Probleme wären schon lange bekannt, wie Andreas Gliese in seinem Redebeitrag ausführte. Es wundere ihn allerdings, dass diese Defizite von der Regierung nicht engagierter angegangen werden, um die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln aus Brandenburg zu verbessern. „Denn was nicht produziert und verarbeitet wird, kann nicht auf den Markt und damit nicht auf dem Teller landen“, so Andreas Gliese. „Zu Beginn der Wahlperiode waren wir uns einig, dass insbesondere der Gartenbau in Brandenburg gestärkt werden muss. Der Landtag beschloss, dass die Landesregierung eine Gartenbaukonzeption erarbeiten soll”, resümiert Gliese. Seit Wochen liege nun ein Entwurf vor. „Allerdings frage ich mich, warum uns der Minister einen derart schwachen Konzept-entwurf vorgelegt hat. Außer Zahlenentwürfen und Tabellen enthält er nichts Substantielles, was dazu beitragen könnte, Gartenbau in Brandenburg endlich wieder zu stärken“, kritisiert der CDU-Landtagsabgeordnete.
„Wenn wir regionale Wertschöpfung erzielen wollen und vor allem auch den Riesenabsatzmarkt Berlin stärker erschließen wollen, müssen wir deutlich schneller vorwärtskommen und die bisherigen Förderprogramme auf den Prüfstand stellen“, appelliert Andreas Gliese. „Mit unserem gemeinsamen Antrag geht hiermit noch einmal der Auftrag an die Regierung, die Gartenbaukonzeption mit konkreten Zahlen und Maßnahmen zu untersetzen. Dazu gehört aus unserer Sicht die deutliche Erhöhung der Umstellungsförderung auf ökologischen Landbau, insbesondere im Bereich Obst und Gemüse. Brandenburg zahlt hier die niedrigsten Prämiensätze im bundesweiten Vergleich. Der Anbau von Gemüse im ökologischen Anbau beschränkt sich in Brandenburg derzeit auf lediglich 380 Hektar Fläche. In den vergangenen Jahren wurde in Brandenburg lediglich der Spargel- und Kürbisanbau deutlich ausgeweitet. Für alle anderen Gemüsearten sieht es dagegen düster aus. Deutliche Einbrüche gab es beispielsweise beim Anbau von Gurken, Spinat oder Bohnen. Der Eigenversorgungsgrad mit Obst und Gemüse ist nach Einschätzung der Landesregierung gering“, bilanziert Andreas Gliese aus den Antworten der Großen Anfrage.
Als problematisch einzuschätzen sei außerdem das Nachwuchsproblem in der Landwirtschaft. Die Anzahl der Auszubildenden habe sich seit 2008 mehr als halbiert. Dies gelte auch für den Bereich der Nahrungsmittelherstellung. Es wäre daher zu prüfen, mit welchen zusätzlichen Angeboten neue Auszubildende für Berufe in der Landwirtschaft und in der Nahrungsmittelherstellung gewonnen werden können. Bis April 2019 sollte hierzu bereits ein erstes Resümee über die Umsetzung der Maßnahmen gezogen werden, fordert Gliese. Einen sicheren Absatzmarkt für regionale Lebensmittel sieht der Landtagsabgeordnete im Segment der öffentlichen Verpflegung, also die Kantinen in Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen. Für die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln sollte einerseits stärker und umfassend geworben werden. Andererseits sollten die Träger von Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Pflegeheimen vom Land beziehungsweise über geeignete Stellen Unterstützung bei der Formulierung von entsprechenden Ausschreibungstexten erhalten. Dieses Beratungsnetzwerk fehle allerdings vielfach noch, wie CDU und Grüne monieren.