Frankfurt (Oder). Vera Kubler aus der Pressestelle der Stadtverwaltung hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Von Katja Gehring


In ihrer letzten E-Mail schreibt sie an die Medienvertreter: „Ein für mich sehr prägender und alltagsbestimmender Lebensabschnitt geht mit dem heutigen Tag zu Ende. Überwog zunächst die Vorfreude darauf, muss ich nun gestehen, dass sich die Emotionen verändern und auch ein wenig Wehmut mitschwingt.“ Mit ähnlichen Gefühlen hatten die Journalisten schon einen Tag vorher zu kämpfen, als sie im Rathaus Gelegenheit hatten, Vera Kubler auf Wiedersehen zu sagen.
Als „absolute Leistungsträgerin“ bezeichnete Oberbürgermeister René Wilke seine Mitarbeiterin. Diese Äußerung beschreibt Vera Kubler nicht mal ansatzweise. Und auch zu sagen, sie war die gute Seele der Pressestelle, ist zwar nicht falsch, aber viel zu kurz gegriffen. Heinz Kannenberg hat es während der kleinen Abschiedsfeier im Rathaus auf den Punkt gebracht, indem er anmerkte, dass Frau Kubler Anfragen immer mit einem „gerne“ entgegen nahm. Egal, vor welche Herausforderungen die Journaille aus Frankfurt (Oder) die langjährige Pressereferentin stellte. Und die waren oft nicht ohne. „Frau Kubler blieb mir nie eine Antwort schuldig - selbst dann nicht, wenn meine Fragen viel Zeit und aufwendige Recherchen beanspruchten. Dabei war sie immer freundlich und professionell“, umreißt OderlandSpiegel-Redakteur Georg Langer die Zusammenarbeit mit ihr.
Irgendwie hatte es sich mit den Jahren in vielen Redaktionen eingebürgert, bei Unklarheiten rund um die Stadtverwaltung zunächst Vera Kubler anzurufen. Sie war diejenige, die fast jede Telefonnummer ihrer Kolleginnen und Kollegen im Kopf hatte. Sie wusste, wer zu welchem Thema der richtige Ansprechpartner ist. Das war gerade früher, als es noch kein Internet gab, ein Segen. Und selbst wenn manche dienstliche Anfrage in privates Ausheulen ausartete, hat Vera Kubler sich immer Zeit genommen - auch wenn sie die eigentlich gar nicht hatte. Dafür wollen die Kolleginnen und Kollegen aus den Redaktionen ganz herzlich danke sagen.
Vera Kubler arbeitete dreißig Jahre in der Pressestelle der Stadtverwaltung. Ihre Tätigkeit überdauerte alle Oberbürgermeister nach der Wende und ganze zehn Pressesprecher. Nach ihrem letzten Arbeitstag ging es für die 64-Jährige in den Überraschungsurlaub, den ihr Ehemann organisiert hat. Danach will sie es sich mit guten Büchern auf der Terrasse gemütlich machen, um „runterzukommen“, wie sie sagt. Und wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, so ihr Versprechen, werden wir alle mal einen Kaffee trinken gehen. Dazu war vorher leider kaum Gelegenheit.