Frankfurt (Oder). Der Gewinner des diesjährigen Kleist-Förderpreis wurde bekannt gegeben.

Von Noah Stuckart


Seit 1996 wird von der Kleist Stiftung der so genannte Kleist- Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker verliehen. Dieses Jahr wurden 127 Skripte eingereicht. So viele Stücke wurden seit fünf Jahren nicht mehr eingereicht. Dabei war das Verhältnis zwischen Frauen und Männern mit 49 zu 51 Prozent sehr ausgeglichen. In diesem Jahr gewann der 27-jährige Peter Thiers mit seinem Stück „Warten auf Sturm“. Dieses Stück wurde mit einem Preisgeld von 7.500 Euro dotiert und ist mit einer Uraufführungsgarantie verbunden.
Peter Thiers wurde 1991 in Gera geboren, ist allerdings in Rostock aufgewachsen. Er studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig sowie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit der Spielzeit 2017/2018 ist er fester Regieassistent am Thalia Theater in Hamburg.
Sein Stück handelt vom Bergbau und von der Klassengesellschaft in diesem Bereich. Dabei teilt sich das 96-seitige Skript in drei Akte. Zuerst wird die Sicht der Menschen an der Oberfläche wiedergegeben. Im zweiten Akt lernt das Publikum alles aus der Sicht der Bergarbeiter kennen. Im dritten Akt treffen diese beiden Welten aufeinander. Dieses Stück wird im Staatstheater in Cottbus zu bewundern sein, später allerdings auch in Frankfurt (Oder) aufgeführt. Die offizielle Preisverleihung findet zur Eröffnung der diesjährigen Kleist-Festtage am 17. Oktober statt. Erstmals szenisch gelesen wird das Stück auf der Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft am 2. Februar 2019 in Jena mit dem Ensemble des Theaterhauses Jena.
Die Jury setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Florian Vogel, Vorsitzender der Jury und künstlerischer Leiter des Kleist Forums; Katharina Gericke, Autorin und Laudatorin; Milena Manns, Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung der Stadt Frankfurt (Oder); Petra Thörig, Freie Dramaturgin aus Berlin; Kerstin Grübmeyer, Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft und Chefdramaturgin am Nationaltheater Mannheim; Kathrin Bieligk, Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft und freie Dramaturgin aus Wien; Anette Handke vom Kleist-Museum Frankfurt (Oder); Lukas Pohlmann, Dramaturg und Mitglied der künstlerischen Leitung am Schauspiel Staatstheater Cottbus; und Jack Kurfess, ehemaliger Geschäftsführer der Elbphilharmonie und Consultant.
In der Begründung der Jury heißt es: ,,Alles kommt vom Bergbau her. Also: Alles kommt aus dem Schmutz, der Dunkelheit, der harten, Kräfte verschleißenden Arbeit. Wie namenlose Sisyphose plagen sie sich ab, um denen über Tage zu Wohlstand zu verhelfen. Die meisten von denen da oben leben jedoch in „Warten auf Sturm“ auch längst nicht mehr in gleißendem Reichtum. Vielmehr erzeugt das Stück mit seinen konsequent klar gezeichneten Figuren und präzisen Dialogen eine düstere Atmosphäre. Dabei verweist Peter Thiers auf das unermessliche Potenzial des Theaters, eben nicht nur wirklichkeitsabbildend, sondern auch seismographisch und utopisch zu sein.“