Carzig (eb/geh). Anlässlich der am Montag, dem 28. Mai 2018 in Seelow stattfindenden Abstimmung über den dritten Entwurf des Teilregionalplanes „Windenergienutzung“ hat die Bürgerinitiative Carzig einen offenen Brief an die Regionalräte der Regionalen Planungsgemeinschaft Oder-Spree verfasst.

Dann wird endgültig über das Windeignungsgebiet Grunow-Mixdorf entschieden. Die Bürgerinitiative Mixdorf ruft daher um 13 Uhr zur Demonstration vor dem Kreiskulturhaus Seelow auf. „Wir kämpfen mit allen Mitteln für den Erhalt unseres Schlaubetals”, so Susanne Köhler von der Bürgerinitiative. „Dies ist die letzte Möglichkeit, um außergerichtlich Einfluss zu nehmen und die stimmberechtigten Regionalräte zum Nach- und Umdenken zu bewegen”, sagt sie.
Die Bürgerinitiative hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Aktivitäten unternommen, um den drohenden Windkraftwahn im Schlaubetal abzuwenden. Die Ablehnung gegen das Windeignungsgebiet wird von fast allen Mixdorfern durch Transparente im Ort und die zahlreiche Teilnahme an Demonstrationen dokumentiert. Schreiben an Verantwortliche blieben mit dem lapidaren Wink der Nichtzuständigkeit unbeantwortet, kritisiert Susanne Köhler. „Stimmberechtige Mitglieder der Regionalversammlung verweigern die sachliche Diskussion und verdeutlichen durch arrogante Äußerungen ihr Desinteresse und Inkompetenz”, listet Köhler auf. In dem Schreiben, mit dem die Bürgerinitiative Gleichgesinnte zur Demonstration in Seelow aufruft, heißt es weiter: „Die bittere Erkenntnis ist, dass wie so oft der eindeutige Bürgerwille den Entscheidungsträgern gleichgültig ist. Auf Kosten von Mensch und Natur wird das Milliardengeschäft  Windenergie zugunsten der großen Konzerne knallhart durchgezogen. Das macht sprachlos und wütend”.
Mit einem offenen Brief an die Regionalräte ergreift auch die Bürgerinitiative Carzig noch einmal die Initiative.
„Wir glauben, dass es derzeit einen Klimawandel gibt und wir glauben, dass er vom Menschen gemacht, mindestens aber von ihm verstärkt wird. Die Menschheit steht nach unserer Überzeugung deshalb in der Verantwortung, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen und Deutschland kommt dabei - so wie allen Industrienationen - eine besondere Bedeutung zu. Jedoch bitten wir Sie, wenn Sie am 28. Mai 2018 über den 3. Entwurf des Teilregionalplanes Windenergienutzung entscheiden sollen, zu bedenken: Der weitere Ausbau der Windenergieerzeugung wird den Klimawandel nicht aufhalten, ja nicht einmal bremsen”, heißt es in dem offenen Brief, den Stefan Hellert, Psychologe und Sprecher der Carziger Bürgerinitiative rechtzeitig vor der Sitzung an die Regionalräte verschickt hat.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative Carzig haben zehn Gründe gegen die Verabschiedung des 3. Entwurfs des Teilregionalplanes Windenergienutzung aufgelistet. Sie warnen davor, dass die fortschreitende Industrialisierung der Landschaft der Artenvielfalt schade und schwindende Artenvielfalt das Klima gefährde. „Die Landschaft ist an vielen Standorten Brandenburgs, so zum Beispiel entlang B167, bereits eklatant verschandelt. Eine schöne Landschaft, Artenvielfalt als Erlebnis in der Natur, sowie Stille und Dunkelheit bei Nacht, wäre der Entwicklung unserer abgelegenen Regionen zuträglicher”, schreibt die Bürgerinitiative an die Regionalräte. „Windräder helfen nicht nur nicht bei der Reduktion der CO2-Emission, sie tragen auch noch zur Bodenverdichtung und dadurch Versteppung der Landschaft bei. Die Zerstörung von Wald wird in Kauf genommen, wie zum Beispiel in Hoppegarten und im Schlaubetal.”
Regionalplanung und Landespolitik würden die Schutzgüter nicht achten. „Dort, wo sie sie achtet, sind die Abstände der zum Teil 200 Meter hohen Bauwerke gegenüber Mensch und Tier viel zu gering”, wird kritisiert. Die Folgen von permanentem Infraschall seien bislang nicht genug erforscht. Bisherige Studien kämen zu dem Ergebnis, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Der Ort Carzig werde regelrecht eingeklemmt.
„Der Entwurf des Regionalplans wurde bereits zweimal abgelehnt. Eine jetzige Annahme des Entwurfs würde nur belegen, dass man an Bürger- und Gemeindeinteressen vorbei, beziehungsweise dagegen plant. Die Tatsache, dass keine der rund 2.500 Einwendungen zu einer Planungsänderung führten, lässt auf Scheinbeteiligung mit entsprechenden Folgen für Politikverdrossenheit schließen”, bringen die Carziger die Problematik auf den Punkt.