Frankfurt/Oder (kel). Rund 1.300 Gäste besuchten die Kleist-Festtage.

Am Gefragtesten waren Veranstaltungen im Kleist Forum. Zwei Inszenierungen bildeten die Höhepunkte: Am Eröffnungstag „paradies fluten“ vom Kleist-Förderpreisträger Thomas Köck, und Kleists „Familie Schroffenstein“. Faszinierten bei „paradies fluten“ Tanz, Musik, Installationen, war es bei Schroffenstein Kleists Sprache. Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten sie hautnah miterleben. Sie saßen rings um eine Drehbühne, auf der sich die verfeindeten Familienmitglieder der Häuser Rossitz und Warwand stritten. Künstlerischer Leiter Florian Vogel wollte, dass Frankfurterinnen und Frankfurter der Familie Schroffenstein so nah sind wie noch nie.
Kleists Stück ähnelt einem Krimi. Peter, ein Rossitzer, wurde angeblich von Sylvester aus dem Hause Warwand ermordet. Beide Familien sind durch einen Erbschaftsvertrag verfeindet. Ähnlich wie bei Shakespeares Romeo und Julia verlieben sich zwei Kinder der verfeindeten Familien. Es endet tragisch. Beide Kinder werden von den eigenen Vätern umgebracht. Zum Schutz trugen sie jeweils die Kleidung des anderen. Kurz vorher hatte sich herausgestellt, Peter wurde nicht ermordet, sondern ertrank. Absurdität, die sehr modern ist. Die Mütter der verfeindeten Familien, dargestellt von Verena Reichardt und Nadine Geyersbach versuchten zum Schluss, Frieden zu finden. Es klappte nicht. Alexander Riemenschneider führte Regie. Er entlässt die Besucherinnen und Besucher hoffnungslos. Konflikte werden nicht friedlich gelöst.
Im Rahmen der Kleist-Festtage wurde die Ausstellung „Shakespeare und Kleist: Genie und Nachahmer“ im Kleist-Museum eröffnet. Sie endet am 15. Januar 2017. Kuratorin ist Dr. Barbara Gribnitz.