Frankfurt/Oder (gla). Das Kleist-Museum präsentierte ein kürzlich erworbenes Brieffragment des Autors.

Es handelt sich um die letzten sieben Zeilen eines Briefs, den Heinrich von Kleist am 13. und 14. März 1803 an seine Schwester Ulrike schrieb. Über 100 Jahre lang galten sie als verschollen. Der Rest des Originalschriftstücks ist in Krakow. 35.000 Euro waren notwendig, um das Fragment zu kaufen, das sich in einer Privatsammlung in Österreich befand. Das Geld kam zu je einem Drittel von der Kulturstiftung der Länder, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und aus Spenden von über 100 Kleist-Freunden. „Kultur hat ihren Preis“, sagt Dr. Hannah Lotte Lund, Direktorin des Museums. „Dass wir diesen zusammengekriegt haben, haben wir Ihnen allen zu verdanken.“ Zu den Besonderheiten des Briefs gehört laut Dr. Hannah Lotte Lund der für Heinrich von Kleist ungewöhnlich fröhliche Ton.
Spender hatten die Möglichkeit, Patenschaft für einzelne Wörter oder Satzzeichen zu übernehmen. Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke und seine Frau Christine Wilke suchten sich den Namenszug „Heinrich“ aus. Während der Präsentation würdigte Dr. Wilke das Werk des Frankfurter Autors und sprach sich dafür aus, mehr davon in den Lehrplan der Schulen des Landes aufzunehmen.
Das Fragment ist im ersten Obergeschoss des Museums ausgestellt, umgeben von einer großformatigen Kopie des kompletten Briefs, Bildern seines Ursprungsorts Leipzig und Zielorts Frankfurt vor 215 Jahren, und Informationstafeln über seine Geschichte und seinen Inhalt. Ein Handschriftgenerator ermöglicht es Gästen, unter Anleitung Briefe in Kleists Stil zu verfassen und zu versenden. Am Ende der Präsentation verabschiedete Dr. Lund das Publikum mit den Schlussworten des Briefs: „Adieu! Adieu! Adieu!“.