Frankfurt/Oder (gla). In der Europa-Universität Viadrina wurde eine Ausstellung zum Thema „Das klingende Sonntagsrätsel und die Postkontrolle in der DDR“ eröffnet.

Zu Zeiten des SED-Regimes öffnete die Stasi täglich 90.000 Briefe. Wie Erich Mielke einst sagte: „Genossen, wir müssen alles wissen“. Das betraf auch Post an „Das klingende Sonntagsrätsel“, eine Sendung des Rundfunks im amerikanischen Sektor (RIAS). 4.500 Briefe und Postkarten aus den 80er Jahren, die nie ankamen, befinden sich in den Archiven des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU). Die Berliner Humboldt-Universität hat diese Post analysiert. Jetzt stellt die Europa-Universität Viadrina die Ergebnisse in der Galerie im ersten Stock des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes in Frankfurt aus.
„Bei einigen werden sicherlich Erinnerungen wach“, sagte Professor Dr. Alexander Wöll, Präsident der Viadrina anlässlich der Ausstellungseröffnung. Welche Bedeutung die Stasi der Rolle einer schlichten Rätselsendung im Radio gab, sei daran zu erkennen, dass viele Absender der Briefe und Postkarten im „Arbeiter- und Bauernstaat“ eingeschüchtert und manchmal auch verhaftet wurden.
Professor Dr. Jürgen Neyer, Dekan der kulturwissenschaftlichen Fakultät, freute sich über die Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität. Zum Thema der Ausstellung sagte er: „Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen soll“. Eigentlich könnte er darüber nur lachen, dass solche Banalitäten zum Staatsgeheimnis wurden. Aber der Film „Snowden“, den er vor kurzem gesehen hatte, erinnerte ihn daran, dass selbst eine freiheitlich demokratische Gesellschaft übergriffig werden kann. Demnach sei die Ausstellung nicht nur Skurrilität, sondern auch Mahnung.
Jens-Marcel Ullrich, Beigeordneter der Stadt Frankfurt (Oder), rief dazu auf, wachsam zu sein, so dass wir uns nicht zu gläsernen Menschen entwickeln. Auch heute überwachen Geheimdienste vermehrt die Bevölkerung, diesmal unter dem Vorwand der Terrorgefahr. Im Anschluss führten der Projektleiter der Humboldt-Universität Professor Dr. Kallinich, der ehemalige Moderator der Sendung Christian Bienert, die ehemalige BStU-Mitarbeiterin Lilo Nagengast und Professor Dr. Konstanze Jungbluth von der kulturwissenschaftlichen Fakultät ein moderiertes Gespräch. Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Dezember 2016 zu sehen.