Fürstenwalde (gla). Am vergangenen Sonntag war Neujahrsempfang des Landkreises Oder-Spree.

Da der Landkreis dieses Jahr sein 25. Jubiläum feiert, erhielt der Empfang ein neues Format, das sich an eine breite Öffentlichkeit richtete. Deshalb wählte der Landrat das der Fläche nach größte Gebäude der Kreisverwaltung als Veranstaltungsort, das Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Technische Zentrum im südlichen Teil Fürstenwaldes. Die ehemalige Fabrikhalle verwandelte sich für einen Tag in ein Schaufenster der Region. Dafür präsentierten 31 Aussteller, darunter 17 Direktvermarkter und regionale Produzenten sowie 14 weitere Institutionen ihre Produkte und ihre Arbeit. Für Unterhaltung auf der Bühne sorgten unter anderem die „Golden Voices“ und das Saxophonquartett der Musikschule Oder-Spree „Jutta Schlegel“, das Erste Brandenburgische Garde-Blasmusikkorps Fürstenwalde und der Traditionsspielmannszug EKO aus Eisenhüttenstadt. Ingo Passow aus Ziltendorf moderierte das Programm.
Landrat Rolf Lindemann (SPD) warb in seiner Rede für mehr Identifizierung mit dem Landkreis. Wie wichtig das ist, hätten die Pläne für die Kreisgebietsreform gezeigt. Dabei hatte die brandenburgische Landesregierung die Existenz des Landkreises Oder-Spree grundlegend in Frage gestellt. Die Identifizierung mit einem neunzig Kilometer langen Flächenlandkreis sei zwar schwierig, räumte Lindemann ein, biete aber gerade in Zeiten der Globalisierung Orientierung, Sicherheit und emotionale Heimat. „Wir haben das Glück, in einer der reizvollsten Regionen Deutschlands zu leben“, betonte der Landrat. Der Landkreis Oder-Spree biete einen naturräumlichen Schatz, Kulturlandschaften, die Kreisstadt Beeskow mit ihrem historischen Stadtkern, die Industriestandorte Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt und vieles mehr.
Als eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Jahres betrachtet Rolf Lindemann die Bereitstellung schneller Internetverbindungen für alle: „Eigentlich Aufgabe der Privatwirtschaft, aber hier springt der Landkreis in die Bresche, wo sich Netzbetreiber aus wirtschaftlichen Überlegungen verweigern.“
Anlässlich des Jubiläumsjahres blickte Lindemann auch auf die Geschichte des Landkreises zurück, von der Gründung im Jahr 1993 über die Einkreisung der früher kreisfreien Stadt Eisenhüttenstadt, die Oderflut und das Fluchtgeschehen seit 2015. Der Einsatz vieler Bürger habe die Bewältigung von Krisen ermöglicht. „Deshalb feiern wir heute hier auch ein Fest des Ehrenamts“, sagte der Landrat. Er erinnerte daran, dass erst die friedliche Revolution vor dreißig Jahren eine Überwindung des Nachkriegsdenkens in Ostdeutschland ermöglichte. Einer der größten Erfolge des Landkreises seit seiner Gründung sei die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Sie konnte im Laufe der Jahre von zirka 25.000 auf 9.500 heruntergedrückt werden. Im Hinblick auf die 2019 anstehenden Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen warnte der SPD-Politiker vor Kräften, die das Land madig machen, den Untergang beschwören, aber keinen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten: „Zukunft ist aber kein Schicksal, sondern ein politischer Gestaltungsauftrag“.
Lindemann lobte die europäische Idee, die für die längste Friedensperiode seit dem Dreißigjährigen Krieg gesorgt habe. „Da stellen politische Hazardeure tatsächlich als Alternative dar das Europa eines konfliktbetonten Nationalismus“, kritisierte der Landrat. Er forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, aktiv von Freiheit und politischer Vernunft Gebrauch zu machen. In Deutschland gäbe es schon lange kein Die-da-oben und Die-da-unten mehr. „Uns verbindet der natürliche Adel der Begabung, der Leistung und des gesellschaftlichen Engagements“, so Lindemann. Für das neue Jahr wünschte der gebürtige Rheinländer „ein herzliches Glück auf und Gottes Segen“.